pinselfisch - Kunst- & Literaturworkshops für Menschen jeden Alters




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33 Bogen und ein Teehaus
Zaeri-Esfahani, Mehrnousch | Zaeri-Esfahani, Mehrdad
2016

33 Bogen und ein Teehaus
Zaeri-Esfahani, Mehrnousch | Zaeri-Esfahani, Mehrdad
2016

70 Meilen zum Paradies
Klement, Robert
2006

Das Schicksal der Sterne
Höra, Daniel
2015

Der Traum von Olympia
Kleist, Reinhard | Text & Illustration
2015
Nominierung DJLP 2016

Die Flucht
Sanna, Francesca | Text & Illustration
2016
Nominierung DJLP 2017

Ein Blick in die deutsche Geschichte
Oltmer, Jochen & Barbian, Nikolaus
2016

Flucht
Glattauer, Nikolaus | Hochleitner, Verena
2016

Fluchtatlas
Markert, Laura; Moser, Yvonne; Scheuerlein, Lilli
2016

Im Meer schwimmen Krokodile
Geda, Fabio
2012

Jenseits des Meeres
Walter, Jon
2015

Jenseits des Meeres
Walter, Jon
2015

Migrando
Mateos, Marianna Chiesa | Text & Illustration
2010

Migrar
Mateo, Jose Manuel | Pedro, Javier MArtinez
2015

Nusret und die Kuh
Tuckermann, Anja | Zaeri, Mehrdad; Krappen, Uli
2016
Nominierung DJLP 2017

Sommer unter schwarzen Flügeln
Peer, Martin
2015
Deutscher Jugendliteraturpreis 2016

SPIEL Five! für Flüchtlinge

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Train Kids
Reinhardt, Dirk
2015
Nominierung DJLP 2016

Vielleicht dürfen wir bleiben
Kringeland Hald, Ingeborg
2015

Zeit der Wunder
Bondoux, Anne-Laure
2013

Zuhause kann überall sein
Kobald, Irena | Blackwood, Freya
2015


Weitere Titel und Rezensionen folgen!

33 Bogen und ein Teehaus
Zaeri-Esfahani, Mehrnousch | Zaeri-Esfahani, Mehrdad
146 Seiten, Peter Hammer

Cover

Die damals 11 jährige Ich-Erzählerin Mehrnousch Zaeri-Esfahani schildert ihre Flucht 1985 mit ihrer Familie aus dem Iran über die Türkei nach Deutschland. Der Sturz des Schahs und die Herrschaft des zunächst voller Hoffnung erwarteten Ajatollah Chomeini wird, ähnlich wie in Marjane Satrapis Persepolis, unaufdringlich und dennoch entlarvend aus kindlicher Perspektive geschildert. Erst als die Zwangs-Rekrutierung 12 jähriger Jungen als Kindersoldaten für Mehrnouschs Brüder bedrohlich näher rückt, entschließt sich ihre Familie schweren Herzens zur Flucht. Denn Mehrnouschs Familie liebt ihre Heimatstadt Isfahan und den Fluss Zayaned Rud mit seiner 33-Bogen-Brücke. Dennoch ist die ganze Familie immer wieder bereit, sich in den widrigsten Situationen und unter den schwierigsten Verhältnissen anzupassen, sei es in der Türkei oder in Deutschland. Nach 14 Monaten landen sie endlich in einer kleinen Sozialwohnung in Heidelberg. Die einzelnen Kapitel des Buches sind mit dem Namen der jeweiligen Städte überschrieben, in denen es auf der Flucht längere Aufenthalte gibt, und auch den Flüssen wird Aufmerksamkeit gewidmet. Viele der Umstände um Flucht und Integration dürften sich im Laufe der aktuellen Entwicklung eher noch verschärft haben. Dennoch eine literarische Perle die mitreißt und vieles nachvollziehbar macht...

- JPS

33 Bogen und ein Teehaus
Zaeri-Esfahani, Mehrnousch | Zaeri-Esfahani, Mehrdad
146 Seiten, Peter Hammer

Cover

„33 Bogen und ein Teehaus“ muss man in einem Atemzug lesen! Alles beginnt in den 1980er-Jahren im iranischen Isfahan, oder ist es Pripjat bei Tschernobyl? Der Erste Golfkrieg zwingt die Familie der siebenjährigen Mehrnousch Zaeri-Esfahani, Ich-Erzählerin und Autorin des Buchs, zur Flucht in die Bundesrepublik. Das Mädchen erzählt von ihrer Odyssee von Flüchtlingsheim zu Flüchtlingsheim und davon, als Kind in einem fremden Land zu überleben, wenn man noch nicht einmal weiß, was der Unterschied zwischen Sommeranzug und Schlafanzug ist. In der Schule erlebt sie eine Mischung aus latenter Unsicherheit, Staunen, Glück und Angst. Wie kann ein Kind also verstehen, aus dem Leben – Leben, das diesen Namen auch verdient – herausgerissen zu werden, ohne Grund? Warum flüchten? Mehrnousch gibt mit leisen, poetischen Worten Antwort darauf. Zunächst aber sagt sie: „Ich wollte nicht da sein, wo ich war, und ich wollte nicht die sein, die ich war. (…) Ich spürte mit einem Mal, dass wir für die Länder, in die wir einreisten, nur Ärger bedeuteten und dass uns niemand haben wollte.“

Privilegiert ist, wer in Freiheit und Frieden aufgewachsen ist. Wer Mehrnousch zuhört, wird keine schnellen Urteile mehr fällen. Für Lehrer, Sozialpädagogen und Schüler ab der fünften Klasse im Rückblick mehr als nur eine Erinnerung an die Zeitläufte der 1980er-Jahre, an Tschernobyl durch Mehrnouschs persönliches Schicksal: sie appelliert an unser aller Mitgefühl. Die Autorin selbst hat es im „kalten“ Deutschland einst gefunden.

 

- KP

70 Meilen zum Paradies
Klement, Robert
143 Seiten, Jungbrunnen

Cover

Wenn, wie in diesen Tagen, von Obergrenzen für Flüchtlinge und von nationalen Grenzschließungen die Rede ist, dann wird spätestens mit „70 Meilen zum Paradies“ von Robert Klement deutlich, dass dies nicht den Kern des Problems trifft. Mit letzten Kräften und einer großen, vagen Hoffnung machen sich derzeit viele Menschen auf nach Europa, ins vermeintliche Paradies. Im Roman von Robert Klement ist es eine Gruppe afrikanischer Bootsflüchtlinge. Unter ihnen befinden sich der aus Mogadischu stammende Siad und seine 13-jährige Tochter Shara, deren Schicksal für das vieler Afrikaner steht. Die Flüchtlinge in Robert Klements Erzählung stranden nach einer zermürbenden Überfahrt von Tunesien auf Lampedusa und müssen auch dort erkennen, dass sie Rechtlose sind. Zwischen Schweinebaracke und den Fängen der Mafia fristen sie ihr zukünftiges Dasein – wenn sie überhaupt noch am Leben sind.
Die Erzählung ist deshalb so ergreifend, weil sie, wie der Autor schreibt, auf wahre Begebenheiten basiert. Dass das Buch ursprünglich von 2006 ist, tut dem nichts, im Gegenteil: Das Problem hat sich ausgeweitet und zugespitzt. In nüchternem, fast dokumentarischem Ton geschrieben und mit zahlreichen Querverweisen unterlegt, ist das Buch gerade in Schule und Beruf bestens geeignet, um einen differenzierten Diskurs zur Flüchtlingspolitik zu führen.

- KP

Das Schicksal der Sterne
Höra, Daniel
246 Seiten, bloomoon

Cover

Flucht und Vertreibung sind wahrhaftig keinen neuen Phänomene- der vorliegende Roman von Daniel Höra berichtet sehr anschaulich von den Parallelen, die das Flüchten zu allen Zeiten und an allen Orten der Welt hat. Die letzte, große Flüchtlingswelle nach dem Ende des zweiten Weltkriegs verbindet er mit der Aktuellen. Hier erzählt er die Geschichten von Karl und Adib, Karl ist vor 70 Jahren aus Schlesien geflohen und Adib vor knapp Einem aus Afghanistan. In Berlin treffen beide aufeinander und ihrer beider Interesse an den Sternen und an Astronomie bringt sie miteinander ins Gespräch. Obwohl es nicht direkt zwischen ihnen zur Sprache kommt, entwickelt sich doch ein tiefes Verständnis für den jeweils anderen: beide waren zum Zeitpunkt der Flucht zu jung für die große Verantwortung für Mutter und Geschwister, beide erlebten das Ausgeliefert sein auf der Flucht und im neuen Land, beide kennen die Ängste der Flucht und die Kämpfe um Würde und Anerkennung am Zielort. Auf dem Hintergrund dieser Fluchterfahrung entsteht ein tiefe Verbindung, die gegenseitigen Respekt zeigt und Kampfgeist, den man braucht um unter solch schwierigen Bedingungen zu bestehen. Das richtige Buch am richtigen Ort.

- JPS

Der Traum von Olympia
DIe Geschichte von Samia Yusuf Omar

Kleist, Reinhard | Kleist, Reinhard
152 Seiten, Carlsen

Cover

Samia lebt mit ihrer Familie in Mogadishu, Somalia. Als Vertreterin ihres Heimatlandes war sie bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking als Sprinterin dabei. Schon lange träumt Samia davon, Profisportlerin zu werden und trainiert hart. Doch die islamischen Extremisten, die in Somalia an der Macht sind,  lehnen es ab, dass Frauen Sport treiben. Sie wird bedroht, sportliche Entwicklungsmöglichkeiten sind quasi nicht vorhanden. So beschließt Samia eines Tages, zu versuchen, nach Europa zu kommen, um 2012 in London an den Olympischen Spielen teil zu nehmen. In Äthiopien, wo eine Tante von ihr lebt, versucht sie mit dieser gemeinsam, auf ein Boot nach Italien zu kommen. Eine unglaublich beschwerliche, langwierige Reise beginnt, geprägt von Ausbeutung, Menschenverachtung und Entbehrungen. Während fast der gesamten Zeit ihrer Flucht hält Samia über Facebook Kontakt mit ihren Freunden, Reinhard Kleist versucht auch die Facebooknachrichten zu rekonstruieren, wie überhaupt die Geschichte von Samias Flucht. Wie für so viele andere Menschen aus Afrika endet sie auch für Samia tödlich. Reinhard Kleist ist es erneut gelungen, dieses absolut aktuelle und beklemmende Thema auf eindrucksvollste Art zu bearbeiten. Die in schwarz-weiß und Grautönen pinselstrich-leicht gezeichnete Geschichte übt einen immensen Sog aus und lässt einen das Buch nicht aus der Hand legen. Für alle Menschen mit Empathie, besonders aber für jugendliche Leser eine absolute Bereicherung !!!

- JPS

Die Flucht
übersetzt von Thomas Bodmer

Sanna, Francesca | Sanna, Francesca
48 Seiten, Nord Süd

Cover

Fangen wir hinten an: im Nachwort berichtet die junge Künstlerin von ihrem Kontakt mit geflüchteten Mädchen, die sie in einem Flüchtlingslager in Italien kennenlernte. Sie hat dort Flüchtlingen zugehört und daraus eine Geschichte gemacht, die uns helfen kann, zu verstehen, was „Flucht“ bedeutet...

Eindrucksvolle, grafische Bilder, viel Schwarz, wenn der Krieg ins Bild kommt, oder die Nacht, oder die Angst. Große, monotone Flächen müssen durchwandert werden und immer wieder muss man sich verstecken vor überdimensionalen Wächtern oder Soldaten. Konsequent aus der Sicht eines Kindes erzählt, spielt das Buch auf beeindruckende Weise mit Größen und Mengenkontrasten, jedoch geht die Vereinfachung geht nie zulasten der formalen Ausdruckskraft. Die Bildsprache ist bewegt und entspricht auf zauberhafte Weise der kindlichen Wahrnehmung ohne jemals süßlich zu werden: Mamas Haare sind der Schutzmantel für die Kinder, das erste Mal frei flattern tun sie im Zug in Europa. Herausragend!

- JPS

Ein Blick in die deutsche Geschichte
Vom Ein- und Auswandern

Oltmer, Jochen & Barbian, Nikolaus
124 Seiten, Jacoby & Stuart

Cover

„Wir Menschen sind in Bewegung, das ist nichts Neues!“ Das ist die Hauptbotschaft des Sachbuches „Ein Blick in die deutsche Geschichte. Vom Ein- und Auswandern“. Beginnend mit dem Deutschen Reich der 1880er Jahre spannt diese Publikation den Bogen bis in die Gegenwart und beleuchtet dabei in sieben Kapiteln zahlreiche Migrationsbewegungen der letzten 150 Jahre. Dabei werden zahlreiche Themen wie beispielsweise die Arbeitsmigration des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Deportationen und Zwangsarbeit während und nach den beiden Weltkriegen, die Gastarbeiter der 60er und 70er Jahre sowie die aktuelle Situation behandelt. Das Bemühen der Autoren ist bemerkbar, komplexe historische Zusammenhänge möglichst übersichtlich und leicht verständlich zusammenzufassen. Jedes Thema wird auf maximal einer Seite behandelt und durch Aussagen und Lebensgeschichten von Zeitzeugen für die jugendlichen Leser greifbar.

Die eindrücklichen Illustrationen von Christina Rösch erleichtern dem Leser noch die Identifikation mit den vorgestellten Personen, die beispielhaft stehen für den Menschen als homo migrans (Klaus Bade).

Ein wichtiges Buch, das den Blick weitet und die derzeitige Migrationsbewegung in einen größeren Verstehenszusammenhang stellt.

- MD

Flucht
Glattauer, Nikolaus | Hochleitner, Verena
32 Seiten, Tyrolia

Cover

Noch ein Buch zum Thema Flucht- aber was für eins: die Katze E.T., die einzig aus dem Grund mitdarf, dass sie 7 zusätzliche Leben hat, berichtet von der Flucht einer 4-köpfigen Familie. Der Versprecher eines italienischen Nachrichtensprechers gab offensichtlich den Anlass für einen Rollentausch: die Familie flüchtet von Europa nach Afrika. Schon alleine für diesen Kunstgriff möchte man Herrn Glattauer küssen, denn sofort stellt sich bei erwachsenen Lesern Irritation ein. Es ist nicht mehr weit weg, was wir immer noch, immer wieder nach „weit weg“ verschieben. Es könnte uns auch betreffen... Aber dieses Randszenario ist für die eigentliche Geschichte nicht wichtig, sowohl Glattauer als vor allem auch Hochleitner gelingt es ganz ausgezeichnet, die Gedanken und Hintergründe, die Umstände und Ängste zu schildern, die jede Flucht begleiten. Die Katze schildert das Treiben und Tun „ihrer“ Menschen mit natürlicher Distanz, aber ohne Wertung. Sie berichtet vom Schrecken der Überfahrt übers offenen Meer, bei dem die Wassergeister besänftigt werden müssen, sie blickt zurück auf die Verhältnisse, aus denen die Flucht der einzige Ausweg war. Die Bildsprache ist klar und beinahe sachlich und konzentriert sich auf die Wiedergabe der Umstände und der Zusammenhänge. Kein falsches Pathos (Danke! Frau Hochleitner!) aber dennoch von überzeugender Eingängigkeit. Mein Favorit für die Arbeit mit jungen Grundschulkindern!

- JPS

Fluchtatlas
Gefangen in der Freiheit

Markert, Laura; Moser, Yvonne; Scheuerlein, Lilli
144 Seiten, Edition Büchergilde

Cover

Diesen Atlas brauchen alle, die sich mit dem Thema Flucht auseinandersetzen wollen. In den drei Kapiteln: Heimat, Flucht und Schutz werden Fakten und Zusammenhänge beleuchtet, aber auch etliche Einzelschicksale aus der Anonymität der Statistiken geholt. Wir, die wir hinreisen können, wo wir wollen und zurückkehren in Sicherheit, Demokratie und relativ wenig Gewalt, erfahren hier von den zwingenden Notwendigkeiten, den Gefahren und verzweifelten Entbehrungen einer Flucht. Die Welt mit ihren Kriegen, menschenverachtendem Kapitalismus und unglaublichen Formen von Gewalt und Leid wird hier durch Karten, Schaubilder und Fotografien abgebildet. Wir alle sind aufgerufen, hinzuschauen, zu begreifen und dafür zu sorgen, dass die Welt besser wird. Dafür ist nicht viel mehr erforderlich als Menschlichkeit...

- JPS

Im Meer schwimmen Krokodile
EIne wahre Geschichte

Geda, Fabio
190 Seiten, btb

Cover

„Man tut es einfach und denkt nicht darüber nach.“

Mehr als vier Jahre dauert die Flucht für den 10- jährigen Enaiatollah aus seiner Heimat Afghanistan nach Italien. Um ihn vor den Taliban zu schützen hat seine Mutter beschlossen, ihn allein auf diese Reise zu schicken, indem sie ihn in der Fremde einfach sich selbst überlässt. Enaiat lernt zu überleben. Ohne Geld muss sich der Junge alle Schlepperleistungen durch harte Arbeit verdienen und größtenteils auf der Straße leben. Aber er erfährt unterwegs auch Gutes durch einzelne Menschen. So gibt er die Hoffnung nie auf, erkennt das kleine Glück, wenn es ihm begegnet… Ein starker Roman, der auf einer wahren Begebenheit beruht und eindringlich aufzeigt, was es bedeutet, sich auf diesen Weg zu machen aber auch wie es ist, ohne Sprache in dieser europäischen Welt anzukommen. Uneingeschränkt empfehlenswert für junge Menschen ab etwa 12 Jahren.

- KW

Jenseits des Meeres
Walter, Jon
320 Seiten, Königskinder

Cover

In einem namenlosen Land, das sich im Bürgerkrieg befindet, versuchen Malik und sein Großvater an Bord des letzten Schiffs zu kommen, welches das Land noch verlassen kann. Die Preise für die Überfahrt steigen ins Unermessliche und die Aussichten für die beiden sind nicht grade gut. Malik hadert die ganze Zeit mit der ihm unverständlichen Flucht, vor allem mit der Tatsache, dass seine Mutter nicht bei ihm ist. Zwar stellt der Großvater ihr Kommen in Aussicht, man sei am Tag der Abreise beim Schiff verabredet. Aber nach allem was Malik inzwischen erlebt hat, ist er nicht sicher, ob er dem Großvater in diesem Punkt glauben kann. Einfühlsam und konsequent aus der Sicht des Jungen schildert das Buch die Schmerzen, Zweifel und die übergroße Verantwortung von Kindern auf der Flucht. Hierbei verzichtet der Autor weitestgehend auf dramatisierende Extreme und beschreibt die Umgebung und die Umstände so neutral wie möglich. Gerade dadurch wird deutlich, wie hauchdünn die Trennung zwischen der angeblichen Normalität und dem Chaos ist. Ein absolut lesenswertes Buch, welches außerdem die Verzweiflung der Erwachsenen thematisiert, die ihre Kinder und Enkel auf der Flucht großen Gefahren aussetzen müssen, um noch größere Gefahren von Ihnen abzuwenden....

- JPS

Jenseits des Meeres
Walter, Jon
320 Seiten, Königskinder

Cover

„Jenseits des Meeres“ von Jon Walter liest sich wie ein Filmskript, so anschaulich, dass es einem an manchen Stellen den Atem verschlägt. Besonders die Szene, in der mit Beißzange und ohne Narkose ein Zahn gezogen wird, hat es in sich. Walter beschreibt die Flucht des zehnjährigen Malik mit seinem Großvater aus einem namenlosen Bürgerkriegsland. Der Junge erreicht, mittlerweile auf sich allein gestellt, nach langer Überfahrt auf einem großen Schiff das Land „jenseits des Meeres“, wo er von Lucy, einer „guten Fee“, aufgenommen wird.
Die Tonalität der Erzählung ist gedämpft: Da ist das monotone Stampfen der Schiffsmotoren, das den Boden zum Zittern bringt. Da ist Maliks Herzschlag, als er sich in einem Kleiderschrank versteckt. Die Geschichte ist reich an atmosphärischer Dichte und zieht damit den Leser in den Bann. Dass sie auch verstört, regt zum Innehalten an. Das Stärkste an dem Buch ist aber die Gleichzeitigkeit alltäglicher Szenen und Gedanken aus dem Leben eines Kindes und der Präsenz des Bürgerkriegs. In den Alltagsmomenten aus dem Hier und Jetzt kann sich jeder wiederfinden, Krieg werden die wenigsten Leser kennen. Eine Hypothese drängt sich auf: Was, wenn es mich träfe? Welch ein Glück, in Frieden zu leben.

- KP

Migrando
Mateos, Marianna Chiesa | Mateos, Marianna Chiesa
60 Seiten, Orfeu Negro

Cover

2010 in Italien aufgelegt und von Amnesty International mitherausgegeben hat sich die traurige Aktualität dieses Buches in der Zwischenzeit noch gesteigert. Unterdessen ist es richtig schwer zu bekommen (Pinselfisch vermittelt auf Nachfrage einen Verkäuferkontakt), dabei ist es nach unserem Dafürhalten eines der gestalterisch und inhaltlich bemerkenswertesten Bücher zum Thema. Als ein Dreh-Bilderbuch verwebt es mehrere Geschichten und Perspektiven: die sog. Wirtschaftsmigration aus existenzieller Armut und Not, die Flucht vor Gewalt und Krieg zum Anderen - und die Erinnerungen einer weiteren, älteren Person, die ebenfalls Flucht als einzigen Ausweg erlebt hat. Das Buch verzichtet vollkommen auf Text und bleibt daher interpretierbar, es „dreht“ sich die Geschichte jeweils am Rand des Meeres, wo die Gedanken, Hoffnungen und Wünsche fliegen können und versuchen, einen anderen Kontinent zu erreichen. Die einfache aber dennoch poetische Formen- und Bildsprache, die prägnanten Symbole und Farben, alles das trägt dazu bei, aus diesem Buch ein außerordentlich wichtiges und anrührendes Inspirationsobjekt zu machen: für eigene Gestaltungsübungen, Gespräche, Theater und andere Perspektivwechsel. Gerade wegen des offenen Endes eine Bereicherung für alle am Thema interessierten!

- JPS

Migrar
übersetzt von Ilse Layer

Mateo, Jose Manuel | Pedro, Javier MArtinez
22 Seiten, Edition Orient

Cover

Das ungewöhnliche Querformat dieses schwarzweißen Buches erklärt sich, sobald man das schmale Stoffband gelöst hat: ein Leporello entfaltet sich als 1,60 m langes Wimmelbild mit seitlichem Textstreifen. In kurzen deutsch - oder spanischsprachigen Textblöcken erzählt ein Kind von seiner mexikanischen Heimat. Nach dem der Vater, wie viele andere Männer des Dorfes, zum Geldverdienen nach Norden gehen musste, bleibt bald dessen finanzielle Unterstützung aus. So sind auch die Mutter und die Kinder gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die kleinteilige Bildgeschichte erzählt von Reisen auf Güterzügen als blinde Passagiere, von Polizei und Hunden, vor denen man sich verstecken und von Wäldern, in denen man übernachten muss. Dass sie am Ende tatsächlich gemeinsam in den USA ankommen, ist nicht selbstverständlich, und den Vater haben sie auch noch nicht gefunden... Wir haben sehr bewegende und intensive Workshops mit Schulklassen zu diesem Buch veranstaltet (siehe Kurzkonzepte) und würden diesem Buch glatt einen Buch-kunstpreis verleihen. Bildausschnitte, die sich als Bilderbuchkino verwenden lassen, kann man vom Verlag kostenlos anfordern. (vgl. auch Internetseite: http://www.edition-orient.de/product_info.php?products_id=590) Tolles Buch!

- JPS

Nusret und die Kuh
Tuckermann, Anja | Zaeri, Mehrdad; Krappen, Uli
52 Seiten, Tulipan

Cover

Sehnsucht nach zu Hause

Nusret lebt – obwohl er in Deutschland geboren wurde – mit seinen Großeltern in einem kleinen, verlassenen Dorf im Kosovo, während seine Eltern und beide Geschwister in Deutschland geblieben sind. Bald soll auch er wieder zurückkehren und dort zur Schule gehen. Besonders mag Nusret seine Kuh, die zum Symbol seiner Heimat wird. Mit ihr macht er sich kurzerhand selbst auf den Weg in den Norden und kommt nach kurzer Zeit auch dort an. Er lernt Lesen und Schreiben und berichtet seinen Großeltern in Briefen von seinem neuen Leben. Währenddessen hat die Kuh Heimweh nach zu Hause. In den Ferien besuchen alle die Großeltern im Kosovo und lassen die Kuh dort. Die Geschichte endet mit dem Satz: „Alle sind zufrieden und alle haben Sehnsucht.“

Die eindrucksvollen Illustrationen spielen mit den Farbassoziationen des Lesers: während die Bilder der kosovarischen Heimat in Grün und Braun gehalten sind und eine wohlige Wärme ausstrahlen, wechselt das Farbschema auf dem Weg nach Deutschland ins Hellblaue, Kalte; eine atmosphärische Gegenüberstellung von Heimat und Fremde. Bemerkenswert ist auch, dass nur Nusret, seine Großeltern und die Kuh konturiert gezeichnet wurden, Nusrets Eltern und Geschwister bleiben auf dem einzigen Bild, das sie darstellt, eigenartig schemenhaft.

Die Handlung kombiniert realistische mit fantastischen Elementen, was dem Leser den Eindruck vermittelt, dass es sich bei Nusrets Deutschlandreise und –aufenthalt möglicherweise lediglich um eine Vorstellung des Protagonisten handelt.

Eine bemerkenswerte Geschichte über Sehnsucht, Heimat und Fremde.

- MD

Sommer unter schwarzen Flügeln
Peer, Martin
530 Seiten, Oetinger

Cover

Nura, genannt Nuri ist mit dem Rest ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland gekommen und in einem Flüchtlingsheim in Mecklenburg -Vorpommern gelandet, in unmittelbarer Nähe zum Meer aber auch zu den Neonazis der Region. Hier wohnt der Sozialneid im Plattenbau: die meisten deutschen Bewohner aus der Umgebung sind Hartz 4-Empfänger und die Asylbewerber bekommen sogar die Kühlschränke gestellt... Die NPD und auch ihre militanten Splittergruppen bekommen hier reichlich Zulauf, Jugendliche ohne Schulabschluss und Zukunft können sich hier ein Selbstbewusstsein erschaffen. So einer ist auch Calvin, aber der ist trotz rechter Clique noch selbstständig in seinem Denken. Ausgerechnet zwischen ihm und Nuri entwickelt sich eine Beziehung, bei der in erster Linie Nuri aus Syrien und von der Flucht erzählt und Calvin, zunächst widerstrebend, zuhört. Calvin gerät zunehmend unter Druck, seine rechten Kumpels wollen klare Bekenntnisse und Calvin ist durch seine Nähe zu den Asylbewerbern selbst in Gefahr... Peer Martin nimmt die Hintergründe ernst, recherchiert gut findet besonders für Nuris Erzählungen eine poetische Sprache, die die Leser in den Bann zieht. Leider sehr aktuell, dieses Buch, unbedingt lesen!

- JPS

SPIEL Five! für Flüchtlinge
Großartige! Spielesammlung mit Anleitungen in 6 Sprachen


Steffen Spiele

Cover

Dieses optisch und haptisch überzeugende Spiel wurde entwickelt, um an Menschen verschenkt zu werden, die in Flüchtlingsunterkünften oft wochenlang auf eine Veränderung ihrer Situation warten. Hauptaugenmerk der Erfinder lag darauf, Spiele mit Spielregeln in den Sprachen der Geflüchteten aufzulegen.

 

Mit dem Satz aus 32 Holzspielsteinen können fünf verschiedene Spiele mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad von Kindern und/oder Erwachsenen gespielt werden. Der Klassiker "Solitär" und das Strategiespiel "Fünf in einer Reihe" kommen mit den schwarzen und weißen Rückseiten der Spielsteine aus, bei "Zahlenpoker", "Hütchenspiel" und dem anspruchs-vollen "Torris" werden die einfachen Symbole der Vorderseiten benutzt.

Die sehr anschaulichen Spielanleitungen liegen in Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Urdu und Tigrinya vor, jeweils zwei Sprachen in einem kleinen Heft. Die (-ebenfalls sehr ansprechend gestaltete und angenehm kleine) Box ermöglicht sprachübergreifend zu spielen und ins Gepräch zu kommen, und die Spiele begeistern Menschen mit und ohne Migrations-hintergrund gleichermassen. So ist das Strategiespiel "Torris" ähnlich komplex wie Schach und ungemein spannend, die Regeln zum Umlegen der Steine bei "Fünf in einer Reihe" erweitern die altbekannte, auf Karopapier in der Schule gespielte, Variante sehr gekonnt.

Die mit Spenden finanzierte erste Auflage des Spiels wurde bereits verteilt, inzwischen gibt es FIVE! auch "halbkommerziell" im Handel zu erwerben - vom Erlös eines verkauften Spieles wird ein weiteres produziert und als Geschenk zur Verfügung gestellt. Vereine, Initiativen, Behörden und Privatpersonen, die FIVE! in Flüchtlingsunterkünften

oder an anderer Stelle einsetzen oder verschenken möchten, finden alle nötigen Informationen (einschließend einem Vergabeformular) unter: www.steffen-spiele.de

- EM

Train Kids
Reinhardt, Dirk
320 Seiten, Gerstenberg

Cover

Der Junge Miguel trifft an der Grenze Guatemalas vier weitere Kinder, die auf der Suche nach Mutter, Vater oder Bruder die Heimat verlassen und sich auf den langen und gefährlichen Weg durch Mexiko in die USA gemacht haben. Getrieben einzig von der Verzweiflung und von der Hoffnung, dort ihre so lang vermissten Familienangehörigen wieder zu finden, setzen Sie sich den größten Gefahren aus, besiegen Hunger und Durst und erleben sich als verschworene Gemeinschaft. Sie erleiden Gewalt, Diebstahl und niederträchtige Täuschungen, sogar Kidnapping und Folter. Ihnen widerfährt mehr, als jemand alleine aushalten kann. In dieser gemeinsamen Zeit auf den Dächern der Güterzüge erzählen sie sich von ihren Träumen und Hoffnungen, Fernando, der Älteste wird nicht müde, sie mit seinen Geschichten zu warnen und ihnen gleichzeitig die Zeit zu vertreiben. Ständig auf der Hut vor Gangstern, Drogenkartellen, korrupten Polizisten und Menschenhändlern gleicht ihre Flucht einem Spießrutenlauf... Dirk Reinhardt berichtet vom Schicksal dieser Kinder und nimmt den Leser mit, raus aus der Komfortzone und hinein in eine andere, harte Wirklichkeit. Absolut lesenswert!

- JPS

Vielleicht dürfen wir bleiben
übersetzt von Maike Dörries

Kringeland Hald, Ingeborg
112 Seiten, Carlsen

Cover

Die Familie des elfjährigen Albin soll von Norwegen nach Bosnien abfgeschoben werde. Albin geht davon aus, dass nur alle Familienmitglieder gemeinsam, also er, Mama und die Zwillinge, abgeschoben werden können. So macht er sich heimlich davon, als der Abschiebetermin klar ist und will so vollendete Tatsachen schaffen. Auf eigene Faust fährt er erst mit dem Bus und klettert dann in einen offenen Kofferraum, um möglichst bis Oslo zu kommen. Bereits seit 5 Jahren hat er mit seiner Mutter und den Geschwistern in Norwegen gelebt. Hier hatte er sich sicher gefühlt, nachdem Albins Vater in Bosnien vor seinen Augen erschossen worden war. Es folgten eine atemlose Flucht, Erschöpfung, Hunger und erneute Gefahren. Und nun ist er auch hier nicht mehr sicher, ob ihn ein Unbekannter freundlich ansieht, oder nur freundlich tut und ihn dann bei der Polizei anzeigt...Albin lernt bei seiner Flucht die Maedchen Lisa und Amanda kennen, bei deren Opa lag Albin im Kofferraum. Erfreulicherweise gibt es warmen Kakao, belegte Brötchen und Menschen mit Herz. Dennoch steht am Ende nur die Hoffnung: VIELLEICHT dürfen sie bleiben...

- JPS

Zeit der Wunder
übersetzt von Maya v. Vogel

Bondoux, Anne-Laure
192 Seiten, Carlsen

Cover

Kann man eine Geschichte über Flucht, Elend, Hunger und Gewalt als eine Zeit der Wunder betiteln? Unbedingt! Die Geschichte von Koumail und seiner Ziehmutter Gloria, die auf abenteuerliche Weise aus den Kriegswirren des Kaukasus nach Frankreich fliehen, ist eine Geschichte voller Wunder.Da ist erst einmal die wundersame Rettung von Baby Blaise Fortune. Von seiner französischen Mutter wird er bei einem Zugunglück in Georgien der Kaukasin Gloria anvertraut. Fortan heißt er Koumail. Dann ist da Gloria selbst. Gloria lehrt ihn in all dem Unglück, welches ihnen auf der Flucht begegnet, nicht die Hoffnung zu verlieren, sondern immer nach vorn zu schauen. Sie erzählt ihm seine persönliche Geschichte wieder und wieder und lehrt ihn daran zu glauben, dass seine Herkunft im Land der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit seine Rettung sein wird. Als der zwölfjährige Koumail – nachdem er Gloria aus den Augen verloren hat - von den französischen Zollbeamten aufgegriffen wird, wiederholt er also pausenlos, was ihm seine Ziehmutter Gloria eingeprägt hat: Ich heiße Blaise Fortune und ich bin Bürger der französischen Republik, das ist die reine Wahrheit. Als unbegleiteter Minderjähriger ohne Herkunftsnachweis kann Koumail in Frankreich bleiben. Er ist in Sicherheit und bleibt doch rastlos. Als er volljährig ist, macht er sich auf die Suche nach seiner wahren Herkunft… Eine Handlung, welche überall in der Konflikten der Welt hätte spielen können und die aufgrund der momentanen Entwicklung an Aktualität noch zugenommen hat. Die Geschichte deutet die schrecklichen Dinge, die ein Krieg für die Zivilbevölkerung mitbringt nur an, so dass sie bedenkenlos auch jüngeren Kindern schon angeboten werden kann, hier gern natürlich vorgelesen und besprochen.

- KW

Zuhause kann überall sein
Kobald, Irena | Blackwood, Freya
32 Seiten, Knesebeck

Cover

Dieses Bilderbuch ist im Frühjahr 2015 erschienen und thematisiert das Ankommen in Europa nach einer Flucht aus Afrika. Es wird aus der Sicht des geflüchteten Mädchens berichtet; konsequent ist die kleine Ich-Erzählerin in Rot- und Orangetönen gemalt, was ihre Andersartigkeit auf den ersten Blick deutlich macht. Die an sich sehr vorsichtigen und suchenden Bildlinien entsprechen ihrem Vortasten in einer für sie völlig fremden, europäischen Welt. Hier herrscht eine kühle Farbigkeit, die vermutlich den Temperatur-Empfindungen des Mädchens entspricht. Der Klang der fremden Sprache, dessen Bedeutung sich nicht erschließt, ist für das kleine Mädchen hart und abweisend und fühlt sich an, wie eine kalte Dusche. Ein kleines Mädchen auf dem Spielplatz nimmt endlich Kontakt zu ihr auf,  die Sprachbarriere wird abgebaut, in dem das europäische Mädchen ihrer neuen Freundin stets neue Wörter mitbringt und ihr deren Bedeutung zeigt. Aus diesen Wörtern „webt“ sich das Mädchen eine neue, schützende Decke. Erst nach und nach lernt sie, dass ihre Identität zwar untrennbar mit ihrer Muttersprache verbunden ist, nicht aber automatisch verschwindet, wenn sie diese nicht in ihrer Umgebung hört und versteht. Eine berührende und reichhaltige Geschichte zum Vorlesen für alle Kinder!

- JPS

Weitere Titel und Rezensionen folgen!

NvM= Nikola von Merveldt
KE= Katja Eder
VK= Vera Kahl
KW= Karina Wrona
KS= Katrin Seewald
KP= Katja Pfeiffer
SB= Sylvia Bogdain
SW= Sarah Wildeisen
JPS= Jule Pfeiffer-Spiekermann
MD= Martin Deutsch