pinselfisch - Kunst- & Literaturworkshops für Menschen jeden Alters




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...6,7,8, Gute Nacht
Roher, Michael | Roher, Michael
2011

Akim rennt
Dubois, Claude K. | Text & Illustration
2013
DJLP 2014 Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2014

Alles Familie!
Maxeiner, Alexandra | Kuhl, Anke
2010
DJLP 2011

Als der Tod zu uns kam
Schubiger, Jörg | Berner, Rotraut Susanne
2011

Am Ende des Alphabets
Beale, Fleure | Text & Illustration
2015

Annas Himmel
Hole, Stian | Text & Illustration
2014
Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2015

Bär im Boot
Shelton, Dave | Text & Illustration
2013

Bist du stark, kleiner Bär?
Wöhlke, Helga | Kopnarski, Dagmar
2012

Bösemann
Dahle, Gro | Nyhus, Svein
2019

Clara und Bruno
Damm, Antje | Text & Illustration
2013

Das Glück ist ein Fisch
De Nogales, Melba Escobar | Builes, Elizabeth
2018

Das Gute daran
Rickert, Anne | Heine, Sabine
2019

Das Löwenmädchen
Aakeson, Kim Fupz | Völk, Julie
2014

Das rote Blatt
Loske, Judith | Text & Illustration
2014

Der beste Sänger der Welt
Nilsson, Ulf | Eriksson, Eva
2012

Der Besuch
Damm, Antje | Text & Illustration
2015

Der Goldfisch ist unschuldig
Fabsits, Tanja | Text & Illustration
2018

Der Hund, den Nino nicht hatte
Van de Vendel,Edward | Van Hertbruggen, Anton
2015
Deutscher Jugendliteraturpreis 2016

Der Junge, der mit den Piranhas schwamm
Almond, David | Jefferson, Oliver
2014
Nominierung DJLP 2015

Der kleine Fischer Tong
Jianghong, Chen | Text & Illustration
2014

Der Krokodildieb
Bjørnstad, Taran | Grav, Christoffer
2016
Nominierung DJLP 2017

Der rote Baum
Tan, Shaun | Tan, Shaun
2012
Astrid Lindgren Memorial Award

Der schwarze Hund
Pinfold, Levi | Text & Illustration
2012

Die kleine Maus und die große Mauer
Teckentrupp, Britta | Text & Illustration
2018

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket
Boyne, John | Jeffers, Oliver
2013
Nominierung DJLP 2014

Du nicht!
Pin, Isabel | Text & Illustration
2017

Du nicht!
Pin, Isabel | Text & Illustration
2017

Dunkel
Snicket, Lemony | Klassen, Jon
2014

Etwas ganz Großes
Neeman, Sylvie | Godon, Ingrid
2017

Fast wie Freunde
Zels, Mirjam | Text & Illustration
2017

Frerk, du Zwerg
Heinrich, Finn-Ole | Fygenring, Ràn
2011
Auswahlliste DJLP 2012

Garmans Geheimnis
Hole, Stian | Text & Illustration
2012

Gedicht für einen Goldfisch
Siméon, Jean-Pierre | Tallec, Olivier
2009
Nominierung DJLP 2010

Gehört das so??!
Schössow, Peter | Text & Illustration
2005
DJLP 2006

Geschichten aus der Vorstadt des Universums
Tan, Shaun | Tan, Shaun
2008
DJLP 2009

Herr Lavendel
Roher, Michael | Roher, Michael
2012

Heute bin ich
van Hout, Mies | Text & Illustration
2012
Nominiert für den DJLP 2013

Ich bin heute...von A bis Z
Moniz, Madalena | Text & Illustration
2018

Ich und meine Angst
Sanna, Francesca | Text & Illustration
2019

Ich wünschte
Tellegen, Toon | Godon, Ingrid
2012
Nominiert für den DJLP 2013

Jakob & das Rote Buch
Huainigg, Franz-Joseph | Hochleitner, Verena
2012


Weitere Titel und Rezensionen folgen!

...6,7,8, Gute Nacht
Roher, Michael | Roher, Michael
24 Seiten, °luftschacht

Cover

Schwerelos schweben Wildschweine in roten Rüschenröcken, Einrad fahrende Fische oder Elefanten mit Schmetterlingsflügeln über die verträumten Doppelseiten dieser verspielten Gute-Nacht-Gedichte. Dabei halten sich Fantastik und Naturalismus elegant die Waage: Die Tiere erscheinen in anatomisch genauen, schwarz schraffierten Zeichnungen in bester Sachillustrationsmanier; erst die Gesamtkomposition und artfremde Attribute entführen diese Wesen – und mit ihm die Leser – in fremde Gefilde. Dieses ebenso naturgesetzlose wie träumerisch natürlich wirkende Nebeneinander wird durch die Collagetechnik künstlerisch in Szene gesetzt und sprachlich in Reime gebunden. Die Verse strahlen Witz und Geborgenheit aus, und der refrainartige Endreim „Gute Nacht“ verleiht dem Buch eine Einheit, die so leicht wirkt wie die sechs Fäden, an die das lyrische Ich seine „sieben lieben Lieblingsträume“ hängt.

- NvM

Akim rennt
übersetzt von Tobias Scheffel

Dubois, Claude K. | Dubois, Claude K.
96 Seiten, Moritz

Cover

Der kleine Akim wird von einer Buchseite zur nächsten aus dem friedlichen Spiel am Fluss mitten in zerstörerische Kriegszustände katapultiert. Wo eben noch Vögel am Himmel ziehen, sind es im nächsten Bild Kampfflugzeuge und drei Seiten später fliegt Akims Dorf schon in die Luft. Mit einfachen Bleistiftzeichnungen und leichter Aquarell-Kolorierung in Sepiatönen erreicht die Künstlerin eine bestürzende Unmittelbarkeit. Der kleine Akim, der sein Haus nicht mehr findet, seine Familie nicht mehr findet und weggerissen wird von flüchtenden Menschen, die ihn im Gedränge und Chaos wieder verlieren, steht plötzlich in mitten von Toten. Er flüchtet sich in eine Ruine voller unbekannter Menschen und weint nach seiner Mama. Eine Frau mit einem Baby nimmt sich seiner an, aber nach drei Tagen kommen Soldaten und nehmen die Kinder als Diener mit. Angst und Hunger sind allgegenwärtig, bis eines Tages in der Nähe Raketeneinschläge zu hören sind, und die Soldaten mit ihren Waffen hinausstürmen. Akim nutzt die Chance zur Flucht und rennt...mit einer Gruppe von Flüchtlingen wird er per Boot über den Grenzfluss gebracht. Eine Hilfsorganisation sammelt die entkräfteten Menschen auf und bringt sie in ein Flüchtlingslager, endlich in Sicherheit. Aber Akim vermisst seine Familie und trauert, bis man eines Tages seine Mutter gefunden hat, und die beiden sich glücklich umarmen.

Ein wunderbar feinfühliges Buch über das grausame Schicksal von Kindern, die Opfer eines Krieges werden. In seiner Skizzenhaftigkeit absolut ergreifend und unglaublich wichtig!

- JPS

Alles Familie!
Vom Kind der neuen Freundin vom Bruder von Papas früherer Frau und anderen Verwandten

Maxeiner, Alexandra | Kuhl, Anke
32 Seiten, Klett Kinderbuch

Cover

Als ich dieses Buch in die Hand bekam, wusste ich: genau so ein Buch hat mir schon jahrelang gefehlt! Als Mutter von einem eigenen und zwei „Beute“-Kindern, Akteurin in einer wunderbaren Patchwork-Familie, wurden schon öfter Wünsche nach Veranschaulichung dieser oder anderer Familien-Konstellationen in mir wach und blieben bislang unbefriedigt.
Anke Kuhls wunderbar lockerem Strich ist es zu verdanken, dass in „Alles Familie“ genau das erforderliche Maß an humorvollem Abstand zum Thema Familie hergestellt wird, dass jeder Mensch braucht. Ob akute Trotzphase (du bist gar nicht meine richtige Mama) oder Trauer über verlorene oder verloren geglaubte Elternteile, all das wird ernst genommen aber nicht überproblematisiert. Was kann einem Kind besseren Halt geben als die Gewissheit, nicht alleine zu sein - in einer Situation, einer Familienform, einer Bezugsgruppe. Dass dabei auch schwierige Zeiten bewältigt werden müssen, versteht sich von selbst. Wenn das „Kind“ dann die akute Phase hinter sich gelassen hat und gewachsen, vielleicht Erwachsen geworden ist, wird es vielleicht merken, dass Familie nicht aufhört, sondern immer wieder weiter geht, am besten mit Liebe und humorvollem Abstand....

- JPS

Als der Tod zu uns kam
Schubiger, Jörg | Berner, Rotraut Susanne
32 Seiten, Peter Hammer

Cover

Diese Geschichte vom Tod ist in ihrer Perspektive auf das Thema sehr ungewöhnlich und verdient daher eine genauere Betrachtung: der Tod, ein tollpatschiger Wanderer, kommt in ein Dorf, in dem bis dato alles ewig und unvergänglich war. Nichts und niemand starb, nichts ging kaputt –aber das ändert sich im Moment des Auftauchens des Todes; dieser stolpert über eine Schnecke. Die Schnecke überlebt den Unfall nicht und der Tod ist am Fuß verletzt. So kann er nicht weiter wandern und übernachtet bei einer Familie in deren Scheune. Rauchend vertreibt er sich die Zeit und aus Versehen setzt er die Scheune in Brand, mit der auch das Haus seiner Gastfamilie abbrennt. Dabei kommt ein kleiner Junge zu Tode - überhaupt das erste Mal, das ein Mensch stirbt. Ungläubig und lakonisch setzten sich die Menschen mit dem Sterben auseinander, immerhin zeigt der Tod ihnen, wie man einen Sarg zimmert und wie eine Erdbestattung funktioniert. Als der Tod weiter zieht, ist die Dorfgemeinschaft bereits dabei, ein neues Haus zu bauen. Der Tod hat mehr da gelassen, als sterben und Vergänglichkeit: die Menschen rücken zusammen und helfen einander, sie bauen Krankenhäuser und Brückengeländer. Die wie immer fantastischen und klaren Zeichnungen von R.S. Berner machen den Unterschied zwischen dem Anfang und Ende des Buches sichtbar und fühlbar. Sie machen deutlich, dass der Tod keine gruselige Angelegenheit ist, sondern etwas, was zum Leben gehört. Für Kinder selbstverständlich, dass zunächst alles unendlich erscheint, ergänzen sich hier Bild und Text zu einer echten Horizont-Erweiterung!

- JPS

Am Ende des Alphabets
übersetzt von Ursula C. Sturm

Beale, Fleure | Beale, Fleure
207 Seiten, Knesebeck

Cover

Ruby Yarrow hat eine Lese- Rechtschreibschwäche (Legasthenie). Obwohl sie intelligent ist und eine schnelle Auffassungsgabe besitzt, hat sie deswegen Minderwertigkeitskomplexe. Wenig hilfreich ist ihre Familie, besonders Rubys Mutter, die sie für lernbehindert hält und ihren Bruder Max, eine Intelligenzbestie, unglaublich verwöhnt und vorzieht. Ruby ist der Babysitter und das Dienstmädchen des Haushalts, von deren Gutmütigkeit alle profitieren, Bloß Calvin, Rubys Stiefvater und der Vater ihrer beiden kleinen Brüder, sieht, was mit Ruby geschieht. Als eines Tages Rubys beste Freundin Tia sie vor die Alternative stellt: “entweder du legst dir ein Rückrat zu, oder ich rede nie wieder mit dir,“ trifft Ruby eine folgenschwere Entscheidung: so darf es nicht weitergehn. Der Weg zu mehr Selbstbewusstsein und einer eigenen Identität ist schwer: Ruby muss lernen, Nein zu sagen und auszuhalten, nicht mehr die von allen immer gelobte und auf ihre eigenen Wünsche verzichtende Person zu sein, an deren Rolle sie sich so gewöhnt hat.

Ein tolles Buch, das eine typische Mädchen- und Frauenproblematik behandelt: lieber verzichten und dafür gelobt werden als sich für sich selbst stark zu machen. Auch für Nicht-LegastenikerInnen absolut lesenswert!!!

- JPS

Annas Himmel
übersetzt von Ina Kronenberger

Hole, Stian | Hole, Stian
48 Seiten, Hanser

Cover

Stian Hole ist uns ja bereits bekannt durch Garman, diesen bezaubernden Jungen, der Fragen stellt und nachdenkt... Auch Anna ist ein Mädchen mit kontemplativen Fähigkeiten. Der Zeitpunkt ist allerdings auch mehr als angemessen dafür: obwohl nur dezent angedeutet befinden sich Vater und Tochter Anna auf dem Weg zur Beerdigung von Annas Mutter und Papas Frau.

Papa drängelt und Anna bremst ihren Papa aus- sie ist noch nicht soweit, sie muss noch gemeinsam mit Papa einen Abschied von Mama vorbereiten. Darüber reden, was Mama gesagt und was Mama gemacht hat. Sich überlegen, ob Mama im Himmel Gottes Gärtnerin wird, oder in der göttlichen Bibliothek sitzt und liest. Papa erkennt die wunderbare Wirkung der Traumreise, auf die Anna ihn mitnimmt, kann weinen und am Ende sogar lächeln. Ein großartiges und bildgewaltiges Buch über das Abschiednehmen. In dichter Folge fließen traumhafte Bilder surreal-realistisch durch den Himmel wie Wolken, jede Nuance stimmt und nimmt poetisch Fahrt auf, bis sich alles verdichtet zu dem Moment, wo Anna ihren Vater aufordert, jetzt zu gehen, damit man nicht zu spät kommt- zur Beerdigung.

- JPS

Bär im Boot
Shelton, Dave | Shelton, Dave
304 Seiten, Carlsen

Cover

Dieses Buch ist besonders. Gut, eigentlich richten wir unser Augenmerk ausschließlich auf besondere Bücher, aber dieses Buch ist sehr besonders... Die Geschichte ist kurz erzählt: ein Junge steigt zu einem Bären in ein Ruderboot, und bittet darum, auf die andere Seite gefahren zu werden. Der bärenstarke Bootskapitän legt sich kräftig in die Riemen, und die Reise beginnt...  Was zunächst nach einer kurzen Überfahrt aussah, entpuppt sich im Laufe der Geschichte als eine gänzlich andere Sache; eher ist der Junge zum dem Bären in eine gemeinsame und unbestimmte Zukunft gestiegen, wie sich herausstellt. Dabei wachsen natürlich beide Charaktere, zu der kindlich-anspruchsvollen Haltung des kleinen Jungen kommen nach und nach Freundschaft und Verständnis hinzu und der erwachsene Bär bekommt Gelegenheit zu der Erkenntnis, das kleine Menschen auch „nützlich“ sein können. Alles spielt sich in mitten des weiten, blauen Meeres ab, das natürlich auch noch eigene Dynamik  beisteuert. Hochspannend geschrieben, ausgezeichnet beobachtet und liebevollst illustriert ist das Buch jetzt schon auf dem Weg auf unsere persönliche Bestenliste...                                               

- JPS

Bist du stark, kleiner Bär?
Wöhlke, Helga | Kopnarski, Dagmar
24 Seiten, Galerie Farbenmeer

Cover

Das vorliegende Bilderbuch ist mehr als nur ein Bilderbuch. Es ist ein Anleitungsbuch für Eltern, Erzieher und Kinder zum gemeinsamen Spielen.

Gemeinsames Spielen mit erwachsenen Bezugspersonen ist für alle Kinder wichtig, es kann aber darüber hinaus auch eine Hilfestellung zu mehr Selbstvertrauen und zur Unterstützung der eigenen Körpererfahrungen sein.

Bei den Geschichten vom kleinen Bären können große und kleine Menschen gemeinsam verschiedene Bewegungsformen, Rollen, Raumerfahrungen und Requisiten ausprobieren und so die einzelnen Kapitel der Geschichte immer wieder neu gestalten und nachspielen. Besonders wichtig scheint mir dabei, dass die Kinder einen Handlungsrahmen vorgegeben bekommen, als Entscheidungsträger aber immer wieder neu und anders agieren können. Für Eltern, Erzieher und/oder Therapeuten befindet sich ein hilfreicher, 3-seitiger Anhang am Ende des Buches, der Einblick gibt in die neuropsychologischen Zusammenhänge der kindlichen Entwicklung sowie in spielerische Möglichkeiten und Ideen. Die Illustrationen in stark kontrastierende Farben gefallen mir persönlich nicht so, dienen aber sicher dem Zweck, kuschelige und freundliche Identifikationsfiguren zu sein.

- JPS

Bösemann
Dahle, Gro | Nyhus, Svein
32 Seiten, NordSüd

Cover

Häusliche Gewalt – ein Tabuthema im Bilderbuch. Nicht so in Norwegen. Die Lyrikerin und Romanautorin Gro Dahle findet Worte, die dem Wechselbad der Gefühle, dem der kleine Boj Zuhause ausgesetzt wird, einfühlsam und zugleich eindrücklich gerecht werden. Kurze, parataktische Sätze drücken aus, was der kleine Junge fühlt und denkt, wenn sein Papa Zuhause ist. „Ist Papa leise? Ist Papa fröhlich? Ist Papa ruhig?“, sondiert er die Lage, um zu wissen, wie er sich verhalten soll. „Warum ist Papa wütend?, denkt Boj. Habe ich etwas getan?“ heißt es kurz darauf. Voll Angst sieht Boj Bösemann die Treppe in Papa hochkommen und die „Leiter aus Rippen“ hochklettern. Seine Mutter stellt sich zwar vor ihn, aber vor allem ist sie bemüht zu verdecken, zu verbinden, zu verbergen. Sie kann ihm nicht die Tür zum befreienden Draußen öffnen. Das muss er selbst tun. Indem er die Worte findet, von dem zu erzählen, was bei ihnen Zuhause passiert. Daraufhin bekommt er Hilfe vom König, Beistand von der Dame mit der großen Brille und Liebe vom Hund. Die Bilder, die Nyhus findet, sind wie Psychogramme. Sie geben der Gewalt, die den Vater übermannt und die Familie an die Ränder der Buchseiten drängt, gekonnt Ausdruck. Beraten wurden die beiden von einem Familientherapeuten und einer Psychologin, die helfen konnten, die subtilen Mechanismen von häuslicher Gewalt herauszuarbeiten. Doch hat das Bilderbuch nichts von einem bemühten Problembuch. Es überzeugt, weil es die Perspektive des Kindes einnimmt und behutsam aber bestimmt versucht, das in Worte und Bilder zu fassen, was meist lieber verschwiegen wird – und vor allem deshalb seine zerstörerische Kraft entfalten kann. Es weist mit viel Gespür und großer Kunst Kindern und ihren Angehörigen einen Weg aus der Gewalt.

- NvM

Clara und Bruno
Damm, Antje | Damm, Antje
32 Seiten, Annette Betz

Cover

Antje Damm ist bekannt für ihre Bücher, die immer unkonventionell und/oder philosophisch einen neuen Blick auf vermeintlich Bekanntes werfen. Bei Clara und Bruno geht es um Claras Abschied von ihrem Hund Bruno. Eines Tages mag Bruno nicht mehr fressen, er mag nicht mehr spazieren gehen, mag nicht mehr raus an den Strand, denn er ist sehr alt und müde. Clara weiß was kommt, und als Bruno kurz darauf stirbt, weint sie um ihn und begräbt ihn anschließend an einer seiner Lieblingsstellen.

Mit kurzen, prägnanten Sätzen zeigt die Künstlerin, was Clara und Bruno gerne zusammen gemacht haben und woran sich Clara auch nach Brunos Tod noch erinnern kann. Frei von Kitsch und Sentimentalität aber dennoch gefühlvoll können die Leser hier eigene Erfahrungen wieder finden oder sich auf das Sterben eines Haustieres vorbereiten. Tröstlich und schön.

- JPS

Das Glück ist ein Fisch
übersetzt von Jochen Weber

De Nogales, Melba Escobar | Builes, Elizabeth
110 Seiten, Baobab

Cover

Der 10jährige Pedro ist glücklich: endlich wird er das Meer sehen.

Allerdings gibt es auch eine traurige Neuigkeit: Pedros Vater ist nicht nur nicht mitgeflogen ans Meer, er hat außerdem auch die Familie verlassen.

Pedro ist so überwältigt von Traurigkeit und Enttäuschung, dass er seiner Mutter davon läuft, immer am Meer entlang, immer weiter fort. Schließlich schläft er erschöpft am Strand ein. Als er nachts hungrig aufwacht, wird er von einem knurrigen, alten Mann mit in dessen Haus genommen. Johnny Tay heißt der Mann und Pedro vermutet gleich, dass es sich bei Johnny um einen Piraten handeln könnte. Die Papageiendame Viktoria, die Pedro viele Details aus der Vergangenheit der Pirateninsel und von Johnny Tay erzählt, bestätigt Pedros Vermutung, wenn gleich nicht ganz klar wird, was Erzählung ist, und was Wirklichkeit. Aber das macht nichts, Pedro beginnt sich bei Johnny Tray wohl und sicher zu fühlen. In nur etwas mehr als einem Tag, den Pedros Mutter mit Hilfe der Polizei braucht, um den Jungen aufzutreiben, fängt Pedro seinen ersten Fisch, schnorchelt unter Johnnys besonnener Leitung und wächst in vielerlei Hinsicht über sich hinaus. Auch Pedros Mutter erkennt die besondere Verbindung zwischen dem alten Einsiedler und ihrem Jungen und stellt ein Widersehen in Aussicht.

So, wie der Junge Pedro in dieser Geschichte, können auch wir, die Leser, von Johnnys Weisheit und Reichtum profitieren. Die Autorin erzählt am Ende noch von jenem Johnny, der das Vorbild für diese Figur abgab.

Die poetische Schönheit der Illustrationen von Elizabeth Builes schafft zusätzliche Raum und Tiefe. Ob Textgestaltung am Kapitelanfang oder ganzseitige Illustration, fein, trotzdem kraftvoll und vielfältig erweitern die Bilder hier im buchstäblichen Sinne den Text. Ein Augen- und Sinnen-Schmaus aus dem Hause Baobab, vielen Dank dafür!

- JPS

Das Gute daran
Rickert, Anne | Heine, Sabine
26 Seiten, Tyrolia

Cover

Der kleine Junge kann sich nicht mehr daran erinnern, dass Mama und Papa einmal zusammen gewohnt haben. Jetzt haben beide eine eigene Wohnung und der kleine Junge hat zwei Kinderzimmer. Mit einer unverwüstlich positiven Sicht auf das Leben findet er in jeder Situation etwas Gutes: bei Mama hat er eine Katze, bei Papa darf er mit den Fingern essen und 3 Tage lang dasselbe Tshirt tragen. Beide Eltern haben gute Ideen, wenn der kleine Junge das andere Elternteil vermisst und beide Eltern sind stolz darauf, wie er wächst. Mehrheitlich im Stil von Polaroid-Fotos inszenierte Illustrationen stellen Situationen bei Papa und Mama dar, die zwar zum Teil etwas bemüht sind, aber vor Allem deutlich machen, wie wichtig es ist, dass Papa und Mama nicht mehr miteinander streiten. Die beiden Buchseiten, in denen jeweils ein Elternteil mit dem Jungen badet/duscht und gemeinsam Bücher anschaut, hätte, für meinen Geschmack, so viel körperliche Nähe nicht abbilden müssen. So ist die eigentlich sehr gute Idee, das positive Potenzial einer Trennung zum (Bilderbuch)-Thema zu machen, leider etwas verunglückt.

- JPS

Das Löwenmädchen
Aakeson, Kim Fupz | Völk, Julie
32 Seiten, Gerstenberg

Cover

Louise lebt zusammen mit ihrer Mutter und dem Löwen „Löwe“, der sie vor jeder Gefahr beschützt. Auf dem Weg zur Schule und auf dem Pausenhof wird sie nicht gehänselt, sogar der Lehrer hat Respekt vor ihr und fragt sie im Unterricht nicht ab, denn schließlich ist Löwe ein riesiges Tier, mit dem nicht zu spaßen ist. Oft ist Louise auch zuhause alleine, die Mutter muss viel arbeiten. Aber eines Tages zieht ein Großwildjäger in Louises Haus ein, und Louise muss Löwe verstecken. Der Großwildjäger schnüffelt herum und hat Löwe schon bald gewittert, Louise fürchte das Schlimmste und geht nicht mehr aus dem Haus und dem Zimmer. Und Löwe wird immer ängstlicher ... diese Geschichte erzählt von der erträumten Welt, in der sich Louise bewegt und auch davon, wie sie diese Welt am Ende verlässt. Das alles wird mit bezaubernden Illustrationen anschaulich: die Kraft des Löwen-Gelb zieht sich in Wolken durch Louises Leben und wird zum Ende hin immer blasser Aber stattdessen kommt mehr Blau ins Leben, das Gelb wird zur Licht- und Wärme-Farbe und der Großwildjäger heißt Martin und scheint Mamas neuer Freund zu sein...

Sehr behutsam, inhaltlich und gestalterisch ein echtes Ausnahmebuch!

- JPS

Das rote Blatt
Loske, Judith | Loske, Judith
32 Seiten, Hinstorff

Cover

In dieser Geschichte folgen Oskar und seine Mama einem roten Blatt, dass der Herbstwind vor ihnen herweht. Sie lassen sich auf das Zufällige ein und finden so nicht nur ein Ziel sondern auch viele Schauplätze, die dank einer fantasievollen Namensgebung etwas ganz Neues darstellen. Zeichnung, Malerei, Monotypie, Druck  und Collage werden von Loske gekonnt gemischt eingesetzt.  Ganz eindeutig als Beschäftigungs-Alternative zum Zoobesuch angelegt, ist die Geschichte eine Aufforderung, dem Moment zu folgen und mal etwas Ungeplantes und Unvorhersehbares zu tun. Ein deutliches Statement gegen eine zugeplante Kindheit!

- JPS

Der beste Sänger der Welt
Nilsson, Ulf | Eriksson, Eva
40 Seiten, Moritz

Cover

Ein Schulauftritt steht für die Schüler der ersten Klasse bevor. Es wird gebastelt und vorbereitet, doch der kleine Junge, aus dessen Sicht diese zauberhafte Geschichte berichtet wird, weiß genau: zuhause ist er der beste Sänger der Welt, aber auf einer Bühne wird er schüchtern... Er hat Albträume, kann nicht essen und trinken und versucht bis zum Schluss alles, um der kommenden Katastrophe zu entgehender. Aber dann kommt sein treuester Fan, sein kleiner Bruder – und gemeinsam schaffen sie es, das Monster Lampenfieber zu besiegen. So lernt der kleine Junge das köstliche Gefühl kennen, sich seiner Angst gestellt und sie überwunden zu haben. Sicherlich nicht nur ein Thema für keine Kinder, aber von Nilsson und Eriksson auf ihre unnachahmliche Art gefühlvoll und voller Lebensklugheit erzählt, so dass es Erwachsenen und Kindern ebenso Mut macht wie Vergnügen bereitet. Ein unbedingtes Muss für jede Kindergarten- und Schulbibliothek!

- JPS

Der Besuch
Damm, Antje | Damm, Antje
36 Seiten, Moritz

Cover

Grau ist der Alltag von Elise. Das fällt ihr aber gar nicht auf, denn sie selbst ist mausgrau, ebenso wie ihr gesamtes Haus, das Architektin Antje Damm aus Karton ausgeschnitten und liebevoll möbliert hat. Da hat alles seine peinliche Ordnung, und das beruhigt die alte Dame, die keineswegs unfreundlich, nur eben ängstlich und menschenscheu ist. Eines Tages jedoch kommt ein blauer Papierflieger zum Fenster hereingeflogen. Zunächst verursacht er Panik. Als dann aber am nächsten Morgen der kleine Emil mit rotem Baseballkäppi vor der Tür steht, nach seinem Flieger fragt und das sonst hermetisch verschlossene Haus betritt, weil er aufs Klo muss, kommt allmählich Farbe in Elises Leben. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: im Sonnenlicht erstrahlen die Wände gold, Emil hinterlässt eine glühend rote Spur auf der Treppe, Elises Wangen färben sich rosa, und bald ist das ganze Haus warm und bunt und fröhlich. Der Text erwähnt das mit keinem Wort – braucht es auch nicht. Die Botschaft dieses Buches ist so einfach und eingängig, dass es auch als Stumm-Animationsfilm funktionieren würde. Das ungemein lebendige Papptheaterprinzip regt unweigerlich dazu an, eigene Bilderbuchbühnen zu bauen und darin Ängste, Wünsche und Sehnsüchte Gestalt annehmen zu lassen. Antje Damm gelingt in diesem ungewöhnlichen Bilderbuch wieder, was sie schon mit ihren anderen Büchern auf ganz andere Weise bewiesen hat: Sie beherrscht die Kunst die großen Fragen und Träume des Lebens ins kompakte Bilderbuchformat zu bannen und somit neue Horizonte zu eröffnen.

- NvM

Der Goldfisch ist unschuldig
Fabsits, Tanja | Fabsits, Tanja
169 Seiten, Tyrolia

Cover

Was muss eigentlich passieren, um einen depressiven Vater von der Couch herunter zu holen? Henri ist sauer, verzweifelt und ziemlich alleingelassen. Auch Henris Mutter ist leider keine große Hilfe, ist sie doch selbst überfordert mit der Situation. Also schnappt sich Henri das Goldfischglas, auf das sein Vater seit Wochen starrt, und schmeißt es mitsamt Goldi aus dem offenen Fenster. Keine Reaktion- außer bei Henri. Der spurtet sofort schuldbewusst in den Hof und findet dort Goldi, im Suppentopf von Herrn Montesanto, der den Goldfisch gerettet hat, als das Goldfischglas, gebremst vom offenen Müllcontainer, beim Sturz aus dem 3. Stock kaputt gegangen war.

Gottseidank, Goldi geht’s gut. Aber wie geht es jetzt weiter? Der Hauswart, Herr Montesanto, stellt sich als pädagogisches Naturtalent, als guter Zuhörer und noch besserer Geschichtenerzähler heraus. Ohne den Jungen jemals zu bedrängen, erahnt er etliches von dem, was Henri bedrückt und es entsteht eine stabile Freundschaft. Henri, der sich permanent in der Verantwortung fühlt, seinen Vater zu erreichen und zu „bewegen“, erdenkt einen Plan nach dem Anderen, um mit viel Weihnachtszauber und mehreren nichtsahnenden Protagonisten seine Vorstellung davon, was den Vater glücklich macht, in die Tat umzusetzen. Natürlich ist dann alles ganz anders und natürlich wird es auch irgendwie gut.

Klug erzählt die Autorin die Geschichte des Jungen Henri konsequent aus dessen Perspektive: voller starker Gefühle, die ausgesprochen und ausgelebt werden und mit denen ein schweres Thema leichtfüßig daher kommen kann.

Empfohlen für Kinder ab 9 Jahren und für deren Eltern...

- JPS

Der Hund, den Nino nicht hatte
Van de Vendel,Edward | Van Hertbruggen, Anton
40 Seiten, Bohem

Cover

Nino hatte einen Hund. Einen Fantasiehund. Ninos Hund ist genau so, wie er ihn braucht: frech, unerschrocken und vor allem ist er für Nino da, wenn sein Papa ihm fehlt. Aber eines Tages ist dieser Hund weg, und stattdessen ist ein sichtbarer Hund da, den alle sehen können, nicht nur Nino. Nino und dieser Hund müssen sich erst an einander gewöhnen. Aber das tun sie, nach und nach. Und dann gibt’s ja auch noch jede Menge andere Tiere, die möglicherweise genau so sind, wie Nino sie braucht... Mit seiner feinen und dennoch klaren, lyrischen Sprache erschafft Edward van de Vendel, eine Geschichte wie ein Gedicht. Wie in dem Kinderbuch “Lena und die blauen Hirsche“ gelingt ihm auch hier ein kleines, sprachliches Meisterwerk. Verstärkt wird die magische Wirkung des Textes durch die durchscheinend-vielschichtige Art der Illustrationen. Sie erinnern mich an die Löwen, die ich früher hatte...

- JPS

Der Junge, der mit den Piranhas schwamm
Almond, David | Jefferson, Oliver
246 Seiten, Ravensburger

Cover

Der Junge Stan ist Vollwaise und lebt bei Onkel und Tante. Zunächst kümmern sich die beiden liebevoll um ihren Neffen, aber als Onkel Ernie arbeitslos wird, beginnt er, sonderlich zu werden. Getrieben von der Vorstellung, eine Fischfabrik zu gründen, baut Stanleys Onkel das ganze Haus in eine Fertigungsstraße für Dosenfisch um. Tatsächlich entkommt die Familie  so der Erwerbslosigkeit, aber ab sofort geht es nur noch um effiziente Produktion und Stan ist eine billige Arbeitskraft. Da entschließt sich der Junge, fort zu gehen. Bei einer Jahrmarktstruppe kommt er unter und lernt dort freundliche Menschen und Solidarität kennen. Bei Pancho Pirelli, dem sagenhaften Fischflüsterer geht er schließlich in die Lehre. Als Pedro Perdito schafft Stan schließlich den sagenhaften Sprung in das Piranha Becken. Diese skurrile Geschichte voll britischem Humor und zahlreichen Anspielungen ist ein sprachliches Feuerwerk und von Alexandra Ernst kongenial übersetzt. Jeffers' Bleistiftzeichnungen sind so einfach wie wirkungsvoll und unterstreichen den lakonischen Ton dieser Geschichte. Ein Lesevergnügen für Vorleser, Zuhörer und Selberleser...

- JPS

Der kleine Fischer Tong
übersetzt von Tobias Scheffel

Jianghong, Chen | Jianghong, Chen
48 Seiten, Moritz

Cover

Der kleine Fischer Tong muss seinen Lebensunterhalt selber erwirtschaften, deshalb fährt er auch bei aufkommendem Sturm hinaus zum Fischfang.

Gleich, nachdem er die Angel ausgeworfen hat, spürt er einen beträchtlichen Brocken an seiner Angelschnur ziehen. Er ist hochkonzentriert und will die Leine auf keinen Fall loslassen, so bemerkt er nicht das zunehmende Unwetter um ihn herum. Als er plötzlich, nach einer riesigen Welle, die Augen wieder aufschlägt, sitzt vor ihm im Boot ein menschliches Skelett. Tong ist entsetzt, verpasst dem Skelett einen Schlag, so dass dies über Bord geht und rudert so schnell wie möglich zurück. Als das Skelett ihn dennoch und auch am Land verfolgt, bricht Tong vor seiner Hütte bewusstlos zusammen. Das Skelett bringt den jungen Fischer ins Bett und bewacht seinen Schlaf, erblickt aber dann sein eigenes Gesicht im Spiegel und ist nun seinerseits geschockt. So findet der Junge einen traurigen Gast am nächsten Morgen und bietet ihm eine wärmende Decke, zu Essen und zu Trinken an. Das Skelett futtert alles, was es kriegen kann in sich hinein und nachdem es auch die letzte Suppe getrunken hat, verwandelt es sich zurück in eine menschliche Gestalt. Dieser Mann, der früher ein berühmter Seefahrer und Fischer war, bleibt nun bei Tong und beschützt ihn.

Diese zauberhafte Geschichte voller Spannung, bei der sich Entsetzen in Freundschaft verwandelt, ist wie so oft bei Chen Jianghong, für große und kleine Betrachter gleichermaßen fesselnd.

- JPS

Der Krokodildieb
Bjørnstad, Taran | Grav, Christoffer
134 Seiten, Beltz & Gelberg

Cover

Odd träumt im Schulunterricht davon, Superkräfte zu haben und fliegen zu können. Leider sieht seine Realität entsprechend wenig super aus: er wird von den meisten Klassenkameraden gemobbt, er hat fürchterliche Angst vor dem großen Hund auf dem Schulweg, seine große Schwester Kine traut ihm wenig zu und sein großer Bruder ist ein Fußball-Ass und denkt eigentlich an nichts anderes als ans Fußballspielen. Die vielbeschäftigten Eltern geben höchstens recht oberflächliche Tipps, wenn Odd denn mal überhaupt von seinen Problemen erzählt, insgesamt ein ziemlich unerfreu-licher Zustand für den Jungen. Bis ihm eines Tages, nach einem Klassenausflug ins Aquarium, die rettende Idee kommt: er brauchte einfach nur ein Tier, das alle gefährlich finden und das ihm gehört. So wie das kleine Krokodil Zack, das Odd im Aquarium mal halten durfte. Rolf, der Tierpfleger, hat ein gutes Gespür für Odds Problemlage und sorgt dafür, dass das schwächste Kind der Klasse etwas Mutiges tun kann, um seine wahre Größe zu demonstrieren. Womit er nicht rechnen konnte, war, das Odd Zack entführt und mit nach Hause nimmt. Natürlich stellt sich das Zusammenleben mit einem Krokodil als keineswegs einfach heraus. Was aber passiert, ist, dass Odd, alleine durch das Wissen um sein Krokodil zuhause, wächst, und anfängt, sich zu wehren. Als Tierpfleger Rolf im Fernsehen über den verschwundenen Zack in Tränen ausbricht, steht für Odd fest, dass das Tier wieder zurück muss.

Der norwegischen Autorin Taran Bjørnstad gelingt in dieser großartigen Kindergeschichte die Bearbeitung eines gewichtigen Themas auf spielerische, humorvolle und dennoch wirkungsvolle Art und Weise. Die comichaften Illustrationen von Christoffer Grav sind in reduzierter Farbigkeit und mit vielen Grautönen angelegt und überzeugen durch ungewöhnliche Perspektiven und gewagte Anschnitte. Kinder besitzen im Grundschulalter durchaus(noch) die Fähigkeit, Fiktion und Realität miteinander zu verschmelzen. Daher ist dieses Buch gerade richtig für diese Altersgruppe. Applaus!

- JPS

Der rote Baum
Tan, Shaun | Tan, Shaun
32 Seiten, Carlsen

Cover

Der Rote Baum handelt von Traurigkeit und Depression. Der Tag eines Mädchens beginnt ohne Aussicht auf etwas Schönes, verdüstert sich und geht durch alle Empfindungen von Einsamkeit, Unverständnis und Sinnlosigkeit. Er vergeht mit Warten, mit Sorgen, die sich plötzlich auftürmen, mit dem Gefühl, die schönen Dinge gingen an einem vorbei und der Frage, was denn nun eigentlich zu tun sei. Erst ganz am Ende, als es schon so aussieht, als bliebe alles düster und grau, erscheint die Hoffnung in Form eines roten Baumes. Shaun Tan gelingt ein Buch voller Poesie und Zuversicht, mit dem sicher nicht nur traurige oder depressive Menschen etwas anfangen können: wir alle durchleben ab und an solch graue und hoffnungslose Zeiten und auch Kinder sind davor nicht sicher. Wie gut, wenn es auch für solche Seelenzustände Abbilder gibt, und dann noch solch feinfühlige, dichte, die außer einer Kopf-hoch-das-wird-schon-wieder-Aussage noch viel mehr zu bieten haben: Akzeptanz und Trost.

- JPS

Der schwarze Hund
übersetzt von Stuart

Pinfold, Levi | Pinfold, Levi
32 Seiten, Jacoby & Stuart

Cover

Der schwarze Hund ist ja geradezu ein Bildgewordenes Synonym für das, wovor man Angst hat. In diesem Bilderbuch tritt er persönlich auf, er „besucht“ die Familie Hoop. Beim Anblick seiner Größe bekommt jedes Familienmitglied große Angst und es werden verschiedene Strategien entwickelt, sich zu schützen: man kann einfach nicht rausgehen, die Gardinen zuziehen, das Licht ausmachen oder sich gemeinsam unter einer Decke verstecken. Nur Klein, das jüngste Familienmitglied, geht unerschrocken vor die Tür und geradewegs auf den großen, schwarzen Hund zu. Sie denkt sich ein Lied aus, das davon handelt, dass der Hund besser kleiner werden sollte, während sie vor ihm her läuft. Und das klappt anscheinend auch, denn am Ende kann sie den Hund mit ins Haus bringen und ihrer Familie zeigen, wie klein er in Wirklichkeit ist...

Große Fabulierkunst in Bildern: Levi Pinfold schwelgt in realistisch anmutenden Bildwelten und skurrilen Details, angereichert mit einer deutlichen Prise britischen Humors. Ein echter Hingucker!

- JPS

Die kleine Maus und die große Mauer
Teckentrupp, Britta | Teckentrupp, Britta
32 Seiten, ArsEdition

Cover

Die große Mauer- nicht die Chinesische und auch sonst keine, die man irgendwo besichtigen kann. Hier geht es um die Mauer in unseren Köpfen, um Grenzen, die wir für unüberwindlich halten. Britta Teckentrupp hat in ihrer unnachahmlichen Art ein großes Thema so aufbereitet, dass es hervorragend ins Kinderzimmer passt. Zum Einen gelingt ihr das, weil die Akteure der Geschichte Tiere sind. Das funktioniert wie in der Fabel: die Moral ist klar und den Transfer kann jeder selbst leisten, sogar schon Kinder im Kindergartenalter. Zum Anderen entsteht die besondere Bildästhetik der Teckentruppschen Bücher, in bester Nachfolge zu Eric Carle und dennoch ganz anders, durch die Collagen mit selbstbedruckten und gefärbten Papieren und den klaren Formen. Britta Teckentrupp schafft damit eine dichte Atmosphäre, die feinste Nuancen transportieren kann. Zusammen mit den Tier-Charakteren, die individuell und ebenfalls mit unterschiedlichen Emotionen als Persönlichkeiten auftreten, finden hier bereits kleine Kinder gut lesbare Stimmungslagen abgebildet. Daüber lässt sich trefflich ins Gespräch kommen. Ein Plädoyer für den Mut, Fragen zu stellen und Komfortzonen zu verlassen- absolut (vor-)lesenswert!

- JPS

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket
übersetzt von Adelheid Zöfel

Boyne, John | Jeffers, Oliver
281 Seiten, Fischer KJB

Cover

Alistair und Eleanor Brocket haben sich gesucht und gefunden, beide haben traumatische Erfahrungen mit exzentrischen Eltern gemacht. Sie bekommen gemeinsam 3 Kinder und versuchen mit Macht, alles in ihrer Existenz am Maßstab der Normalität zu messen. Ihr drittes Kind Barnaby allerdings ist nicht normal: bereits wenige Sekunden nach seiner Geburt beginnt er zu schweben und kann auch nicht damit aufhören. Seine Eltern nageln zwar zuhause Matratzen an die Decke, damit der Junge sich nicht ständig stößt, aber dennoch fühlen sie sich von der Tatsache, einen so ungewöhnlichen Jungen zu haben, mehr als belästigt. Immerhin sind die beiden Geschwister vollkommen auf Barnabys Seite und der Hund der Familie, Captain W.E. Johns, akzeptiert sogar nur ihn als Herrchen. So kommt es dazu, dass Barnaby in seinem 8 Lebensjahr von seiner Mutter ausgesetzt wird: sie nimmt ihm den Rucksack ab, der ihn ansonsten am Boden hält, und lässt ihn unter freiem Himmel fliegen. Natürlich wird den Geschwistern eine andere Version erzählt. Barnaby tritt nun also eine unglaubliche Reise durch die Lüfte an, von 2 Damen im Fesselballon wird er das erste Mal gerettet. Immer wieder verzögert sich seine Rückkehr nach Sydney, wo der Junge eigentlich schnellstmöglich wieder hin will, weil Barnaby eine Menge anderer Leute trifft, die aufgrund ihrer jeweiligen Individualität ähnliche Erfahrungen wie Barnaby gemacht haben. Ein tolles Buch zur Frage: „was ist eigentlich normal?“ mit, wie ich finde, ein paar Schwächen im Plot und einem nicht ganz stimmigen Ende. Dennoch lesenswert! 

- JPS

Du nicht!
Pin, Isabel | Pin, Isabel
24 Seiten, Hinstorff

Cover

„Seit Kautschuk da war, machte es miteinander viel mehr Spaß“, stellen die drei Pinguine fest, aus deren beschränkter Perspektive diese Bilderbuchfabel erzählt wird – egal, ob es ums Ballspielen, Schwimmen oder Rutschen geht. Erst als sie gemeinsam einen Schneemann bauen möchten und Kautschuk ganz andere Vorstellungen davon hat, wie der aussehen soll, schauen sich die drei ihren Spielgefährten genauer an und finden ihn „plötzlich sehr anders“. Er hat ja gar keinen Schnabel, stellen sie fest; außerdem spricht er kein Pinguinisch! Da ist es vorab vorbei mit der Freundschaft. Auf kluge Weise verbindet Isabel Pin Text und Bild: Mit keinem Wort wird gesagt, dass Kautschuk eine Robbe ist – das zeigen lediglich die Bilder, die mit ihren großen Eis- und Wasserflächen Freiräume zum Nachdenken lassen. Ein behutsames, zugleich amüsantes Buch über Anderssein, Ausgrenzung und Freundschaft – das mit seinem Happy End jungen Lesern zeigt, dass das Leben zusammen schöner ist.

- NvM

Du nicht!
Pin, Isabel | Pin, Isabel
24 Seiten, Hinstorff

Cover

Drei Pinguine freunden sich eines Tages mit einer Robbe an, die zwar kein Wort ihrer Sprache spricht und sich ein bisschen anders fortbewegt, aber ihnen trotzdem gleich sympathisch ist. Jeden Tag spielen sie zusammen. Sie nennen ihn Kautschuk, weil das auf seiner Mütze so zu lesen ist. Kautschuks Andersartigkeit fasziniert sie und sie werden gute Freunde. Eines Tages aber wird ihnen beim Schneepinguin-Bauen bewusst, dass ihr neuer Freund keinen Schnabel hat. Damit sehen sie ihn plötzlich mit ganz anderen Augen…

Isabel Pin stellt das Thema der Ausgrenzung für ihre kleinen Leser ab 4 Jahren leicht fassbar und auf verschiedenen Ebenen dar: einerseits ist der Text aus der Pinguin-Wir-Perspektive geschrieben, Kautschuk kommt darin niemals selbst zu Wort; andererseits stellen die Illustrationen auf den 11 Doppelseiten das Quartett nur drei Mal als Gruppe dar, alle anderen Bilder (inklusive Cover) zeigen die drei Pinguine stets in Opposition zu der Robbe.

Außerdem hat die Künstlerin die Hintergründe aller Darstellungen in Blau und Weiß gehalten, eine Ausnahme bilden zwei ausschließlich weiß grundierte Doppelseiten in der Mitte des Buches, die erzählen, wie den Pinguinen plötzlich Kautschuks Andersartigkeit auffällt und sie ihn deswegen verstoßen. Dieser Höhepunkt der Handlung wird durch die Farbgebung nicht nur besonders herausgehoben, sondern er verliert auch seine räumliche Verortung, sodass das In-der-Luft-Hängen Kautschuks nach dem Bruch mit seinen Freunden selbst für die kleinsten Leser spürbar werden kann.

Ein eindrückliches Bilderbuch über ein falsch verstandenes Wir-Gefühl, das ausgrenzt und letztlich alle Beteiligten verletzt.

- MD

Dunkel
übersetzt von Thomas Bodmer

Snicket, Lemony | Klassen, Jon
48 Seiten, Nord Süd

Cover

Jon Klassen ist seit einiger Zeit nicht mehr wegzudenken aus der Kinderbuch-Illustration. Nun ist in Kooperation mit Daniel Handler alias Lemony Snicket dieses wunderschöne und wichtige Buch entstanden. Leo teilt mit vielen Kindern sein Schicksal: er hat Angst vorm Dunkel. Aber anders als viele andere Betroffene sucht Leo den Kontakt mit dem Dunkel, indem er täglich morgens an die Kellertür geht und dort dem Dunkel Hallo sagt. Solange er weiß, wo das Dunkel ist, und selbst nicht hinunter muss, ist alles in Ordnung. Aber eines Nachts besucht das Dunkel Leo in seinem Zimmer. Es nimmt Leo mit auf eine nächtliche Expedition in den Keller um ihm dort etwas zu zeigen. Leo geht mit und entdeckt eine ganz neue Seite des Dunkels.

Auf den zauberhaften und grafisch wunderbar komponierten Doppelseiten des Buches herrscht häufig das Schwarz. Es ist so schwarz, dass die Druckfarbe neben dem visuellen auch einen olfaktorisch starken Eindruck hinterlässt. Die Schwärze der Schatten wird greifbar, entsprechend schneidet das Licht klare Ausschnitte in die Dunkelheit, aber auch die Übergänge sind zauberhaft gestaltet. Wenn sich die Augen an die Dämmerung gewöhnt haben, sind Konturen zu erkennen. Eine Liebeserklärung an die Nacht!

- JPS

Etwas ganz Großes
übersetzt von Anna Taube

Neeman, Sylvie | Godon, Ingrid
32 Seiten, mixtvision

Cover

Der Kleine ist wütend. Er ist wütend, weil er noch so klein ist, aber gerne etwas ganz Großes machen würde. Der Große legt sein Buch weg und fragt nach. Wie groß das Große denn sein solle, und wie es aussähe?

Ach, es ist nicht so leicht darüber zu reden und leicht herauszufinden ist es auch nicht. Aber ein Spaziergang könnte helfen, es herauszufinden.

Zumal, wenn es ein Spaziergang zum Meer ist, dass allein mit seiner Größe schon zum Philosophieren anregt. Und so sagt der Kleine denn auch: „Wenn ich das Meer so ansehe, denke ich, ich könnte es schaffen, etwas ganz Großes zu machen. Findest du nicht?“ Und tatsächlich, auf dem Heimweg ergibt sich urplötzlich die Gelegenheit für den Kleinen, etwas Großes zu tun. Und das tut er auch, der Kleine. Diese zarte Geschichte über das Wachsen, über Verständnis, Kommunikation und gemeinsames Finden von Lösungen ist voller Liebe und Aufmerksamkeit geschrieben. Ebenso fein in ihrer Einfachheit und Klarheit sind die Zeichnungen von Ingrid Godon. Hier wird viel Platz gelassen für eigenes Empfinden, für Erinnerungen und Gefühle. Sowohl die Sprache als auch die Bilder laden zu Gesprächen und Reflexionen ein. Und dazu, etwas ganz Großes zu tun, ab und zu!

- JPS

Fast wie Freunde
Zels, Mirjam | Zels, Mirjam
24 Seiten, Kunstanstifter

Cover

Angst vor Monstern und Nachtgespenstern. Angst vor Räubern oder Hexen. Angst vor dem Zubettgehen oder dem Alleinsein. Davon handeln viele Bilderbücher. Aber über diffuse Ängste in einer Stadt mit hübschen Häusern, in der „eigentlich alles in Ordnung“ ist, darüber wird selten im Bilderbuch gesprochen. Denn lieber schaut man da nicht so genau hin. Mirjam Zels wagt in diesem einfühlsamen und klugen Bilderbuch jedoch den Blick und zeichnet den Bewohnern kleine schwarze Wesen in den Nacken, die sie mit langen, dünnen Ärmchen umklammert halten. Bei der kleinen Sophie ist dieses Wesen jedoch zu einem riesigen Buckel angewachsen, so groß und schwer, dass dem armen Mädchen alles schwer fällt. Es zerrt sie beim Schwimmen hinab, es lähmt sie beim Fahrradfahren, es drückt sie aufs Bett. So ist Sophie bald ganz allein. In dieser Einsamkeit gelingt es ihr jedoch schließlich, das schwarze Etwas von sich loszulösen. Auf diese Weise erkennt sie es als Angst, die „eigentlich“ gar nicht so schlimm aussieht. Und tatsächlich: Sobald Sophie es wagt hinzuschauen, wird die Angst fast zum Freund, der sie beschützt. Schließlich wagen es auch die anderen Stadtbewohner, genauer hinzuschauen, und so wird das Leben unbeschwerter. Mirjam Zels gelingt es, diffusen Ängsten ein Gesicht zu geben und sie somit begreiflich zu machen. Dass Angst einen nicht zu lähmen braucht, sondern auch schützend begleiten kann, das ist eine wertvolle Einsicht, die Vertrauen schenkt – jungen Lesern ebenso wie ihren oft auch von Ängsten bedrängten Vorlesern.

- NvM

Frerk, du Zwerg
Heinrich, Finn-Ole | Fygenring, Ràn
96 Seiten, Bloomsbury

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Was für eine Geschichte!
Frerk ist eher klein und komisch angezogen ist er auch, eigentlich so wie sein Vater. Seine Mutter erlaubt Frerk nicht viel und sein Vater redet nicht viel. Aber eines Tages findet Frerk ein Ei, dass er in seiner Hosentasche ausbrütet. Allerdings schlüpft kein Hund aus, was Frerk sich gewünscht hätte, sondern 5 anarchische Minizwerge. Mit Hilfe dieser völlig wilden Gestalten lernt er nicht nur Zwergisch (Brät, brät), er zieht auch an, was er will, isst Äpfel und Bananen ungeschnippelt und setzt sich gegen Mutter und Vater durch - Zeit wurde es ja. Eine wilde Geschichte voller Lebenslust und unangepasster Energie, aufs schönste untermalt mit den wilden und gegen den Strich gebürsteten Illustrationen von Rán Flygenring. Dieses Buch wird sicher erst von Erwachsenen akzeptiert werden müssen, bevor es nach diesem Umweg bei den Kindern landen kann...„schüttel dich, lach laut, rühr um, geh ab...“ Viel Spaß!

- JPS

Garmans Geheimnis
aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger

Hole, Stian | Hole, Stian
56 Seiten, Hanser

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Nach „Garmans Sommer“ und „Garmans Straße“ ist „Garmans Geheimnis“ das dritte in Deutschland erschienene Bilderbuch des norwegischen Künstlers Stian Hole. Im Mittelpunkt steht wieder der blonde, schmächtige Junge, der über Dinge, Menschen und Phänomene nachdenkt. Immer sind es die universalen Themen des Lebens, die Hole in den Vorstellungen und Erfahrungen der erwachsenen und kindlichen Protagonisten selbstverständlich miteinander verknüpft und in konkreten Motiven und Bildern zum Ausdruck bringt: Angst, Verrat und Freundschaft, Vergänglichkeit. Im dritten Band geht es um die erste Liebe, eine zärtliche Freundschaft zwischen Garman und einem der schon aus den anderen Bänden bekannten Zwillingsschwestern. Johanne zeigt Garman eine geheime Waldlichtung, auf der sie „verbogene und rußverschmierte Metallteile“ finden, „Ich glaube, es war einmal eine Raumkapsel.“, meint Johanne. Die beiden Kinder kommen sich über Naturbetrachtungen und Gespräche über Gott und andere Geheimnisse näher. So sieht man sie aus den wieder zusammengebauten Metallteilen blicken oder sitzend auf einem Ast vor dem Sternenhimmel. Einmal schaut Johanne wie eine Seerose mit der Nasenspitze aus dem Teich, auf einer anderen Doppelseite sieht man beide Kinder durch den Weltrau schweben.
In den Motiven mischt der Grafiker und Designer souverän die verschiedenen Ebenen von Wirklichkeit. Sowohl Fantasien, Wünsche und Erinnerungen als auch die reale Umgebung wie zum Beispiel die Waldlichtung oder der Schulhof gehen in die überzeugend gestaltete Lebenswirklichkeit der Protagonisten ein. Über eine ausgereifte digitale Bildtechnik und die souveräne Nutzung all ihrer Möglichkeiten verknüpft Hole eigene Zeichnungen, Aquarelle, Fotos mit Holzstrukturen, Tapetenornamenten, kleinen liebenvollen Requisiten zu wunderbaren Gemälden, in die auch die Gestaltung der Initialen und Textfelder mit eingeht. Ist der Text schon voller Poesie des Lebens, komplettieren die Bilder das Buch zu einem Gesamtkunstwerk.

- KE

Gedicht für einen Goldfisch
aus dem Französischen von Franz Hohler

Siméon, Jean-Pierre | Tallec, Olivier
48 Seiten, Gerstenberg

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Wie schön, dass es solche Bücher gibt! Lyrik für Kinder mit poetischen Bildern, die direkt die Seele erreichen. Der Junge Arthur befürchtet, dass sein Goldfisch Leo an Langeweile zugrunde gehen könnte. Die Mutter, gerade auf dem Sprung, empfiehlt zur Genesung ein Gedicht und ist auch schon weg. Da steht Arthur nun, ohne Wissen, was ein Gedicht ist und wie man es macht. Also fragt er herum, die Bäckersfrau, den Fahrradhändler, den alten Mahmud aus der Wüste und natürlich auch Oma und Opa. Oma nennt Opa einen Dichter, und obwohl ein Dichter ja wohl der Fachmann für Gedichte ist, kann er es auch nicht so genau sagen...
Zum Schluss macht Arthur aus allen Aussagen zum Thema etwas Eigenes und siehe da, es wird beinahe von allein ein Gedicht. Und Leo, der Goldfisch antwortet sogar... Glück für die Augen und Poesie für die Seele!

- JPS

Gehört das so??!
Die Geschichte von Elvis

Schössow, Peter | Schössow, Peter
40 Seiten, Hanser

Cover

Ein kleines, namenloses Mädchen rauscht durch einen Park, zieht eine große Damenhandtasche hinter sich her und ist wahrhaftig wütend. Sie dampft und schnaubt vor Wut, so beobachten es auch die sechs kleinen Gestalten, die sich im Park versammelt haben. Sie folgen dem Mädchen, um heraus zu finden, was mit ihr los sein könnte. Immer wieder hält das Mädchen an und schreit ihre Wut heraus: Gehört das so? Irgendwann spricht die eine der sechs das Mädchen an und erfährt: Elvis ist tot. Und zwar Elvis, der Kanarienvogel des Mädchens. Dann endlich verwandelt sich die Wut in Trauer, die Tränen brechen hervor: das Mädchen weint. Es folgt eine Erdbestattung, die die 6 gemeinsam mit dem Mädchen durchführen. Mit Grabstein, Rede, Erzählungen von Elvis und Bienenstich. Und gemeinsamen Lachen am Ende, denn das Leben geht weiter... Ein wunderbares Buch über den Tod und das Trauern, und wie wichtig Freunde und Rituale in solchen Situationen sind.    

- JPS

Geschichten aus der Vorstadt des Universums
Tan, Shaun | Tan, Shaun
96 Seiten, Carlsen

Cover

Dieses Buch macht glücklich.
Mich jedenfalls. Die kurzen Geschichten, alle voller Tiefgang, Witz und Poesie, schaffen Inseln in der Welt. Auf die beste denkbare Art wird aus Illustrationen und Texten gemeinsam etwas so Dichtes und Zartes, das man sonst im Bilderbuch lange suchen muss. Die Kraft der phantasievollen Erzählung wird hier so selbstverständlich freigesetzt, dass mir erst beim Lesen und Betrachten auffällt, was mir oft gefehlt hat: es ist genau diese gelungene Verbindung aus Texten und Bildern, die nicht alles aussprechen. Besonders die Bilder, die eigenen Bildwelten lostreten, wecken das Gefühl, das alles möglich ist. Jede Geschichte kann erzählt, jedes Bild gemalt werden. Jedes. Alles. Unendlich. Shaun Tan ist sicherlich ein Ausnahme-Talent. Illustrieren UND Schreiben tun ja eine Menge Künstler inzwischen, und vieles ist auf unterschiedliche und vielfältige Weise aufregend, ungewöhnlich, schön.

Was jedoch die Arbeit Shaun Tans betrifft, so bin ich berührt von der Weisheit seiner Bilder, sowohl der gemalt/gezeichneten als auch der sprachlichen. Unbedingt lesen!!!

- JPS

Herr Lavendel
Roher, Michael | Roher, Michael
48 Seiten, Bajazzo

Cover

Herr Lavendel ist ein zauberhafter und freundlicher Mann, der unvoreingenommen auf alles zugeht, mit Warmherzigkeit und einer ordentlichen Portion Poesie. So strickt er nicht nur einen Schal aus warmen Worten für seine geliebte Hannelore, er kann auch hören, wenn das Glück zu ihm spricht. Viele tolle Ideen schlummern in diesem kleinen Buch, von der Erinnerungsleine über die eingepflanzte Idee bis zum roten Faden... Für reichlich Gesprächsanlässe sorgen die Fragen, die jede Illustration und jeden Text begleiten. So muss man sich über poetische statements der Kinder nicht wundern, denn Autor und Leser begegnen sich hier auf Augenhöhe. Kein Wunder, dass Roher als neuer Stern am Österreichischen Bilderbuch-Himmel gefeiert wird, seine gelungene Mischung aus Wort- und Bildwitz machen seine Bücher zu einem (Vor-) Lesevergnügen für Große und Kleine!

- JPS

Heute bin ich
van Hout, Mies | van Hout, Mies
48 Seiten, Aracari

Cover

Dieses Buch ist ein Feuerwerk! Auf farblich sensationellen Doppelseiten ist je ein Fisch abgebildet,  dessen verbaler Gefühlsausdruck auf prächtig gestaltetem Untergrund handschriftlich geschrieben steht. Und man sollte nicht glauben, dass sich in Fischgesichtern, Körperhaltung und auch Text nicht vielfältigste Emotionen abbilden lassen! Besonders geeignet für junge Kinder in Kindergarten und Vorschule, die mit Hilfe des vorliegenden Buches zum einen Gefühle benennen und zuordnen können(...kleiner Tipp: es gibt die Doppelseiten auch als Geschenkpostkarten; ideales Spielmaterial!) zum anderen aber aufs beste animiert werden, die eigenen Gefühle mithilfe von knalligen Wachsstiften und wasservermalbaren Kreiden zum Ausdruck zu bringen! Ein Muss für jeden Kindergarten!

- JPS

Ich bin heute...von A bis Z
Ein Alphabet der Gefühle

Moniz, Madalena | Moniz, Madalena
64 Seiten, Midas Collection

Cover

Alphabetbücher sind, trotz ihrer geschichtlich begründeten Bestimmung zur Alphabetisierung (Orbis Pictus, Schulfibeln, etc.) doch inzwischen mehr etwas für Erwachsene, oder? Immer wieder gibt es jedoch auch Alphabete, die nicht nur das erwachsene Sammlerherz erfreuen, sondern die die Idee der alphabetischen Auflistung zu einem sinnvollen Zweck bemühen: im vorliegenden Buch geht es um Gefühle. Nicht nur Gefühle im klassischen Sinne sind hier abgebildet, sondern auch jeweils ein Ausdruck ungewöhnlicher, individueller Befindlichkeiten pro Doppelseite, wie z.B. Quergestreift, Krumm oder Warm. Häufig werden formale oder dekorative Elemente der ganzseitigen Illustration im Buchstaben-Ornament wieder aufgenommen, manchmal wird der detektivische Scharfsinn der Betrachter herausgefordert , z.B. auf der „R“-Seite. Das „Gefühl“ hier ist: ruhig; abgebildet ist der Protagonist, ein kleiner Junge, einsam in einem leeren Kinosaal mit 3D Brille und, gerade noch erkennbar, mit einem Popcorn-Eimer, das „R“ für „ruhig“ ist aus Popcorn gebildet. Ornament und- detail-verliebt illustriert die Autorin hier ein Alphabet durchaus unterschiedlicher Zustände, von „außerirdisch“ bis „Zzzz“, welches am Ende durch ein leeres Alphabet für Kinder abgerundet wird, in die sie ihre heutige Befindlichkeit eintragen können. Als eines von wenigen Alphabetbüchern zu diesem ungewöhnlichen Thema durchaus beachtenswert.

- JPS

Ich und meine Angst
Sanna, Francesca | Sanna, Francesca
24 Seiten, NordSüd

Cover

Für ihr erstes Bilderbuch „Die Flucht“ hat die junge Künstlerin aus Sardinien bereits viele Preise erhalten. „Ich und meine Angst“ könnte man als Fortsetzung der Fluchtgeschichte lesen: Es erzählt aus Ich-Perspektive von einem Mädchen, das ein Geheimnis hat: „eine winzige Freundin namens Angst“. Die Angst beschützt und begleitet sie. Doch seitdem das Mädchen in einem neuen Land angekommen ist, wächst und wächst die Angst, lässt sie nicht hinaus oder mit anderen Kindern in der Pause spielen und frisst sich beim Essen voll. Bald fühlt sich das Mädchen einsam und unverstanden – bis ein Junge aus ihrer Klasse es schafft, die übergroße Angst zu überlisten und das Mädchen zum Spielen herauszulocken. Da schrumpft die Angst wieder. Vor allem entdeckt das Mädchen, dass sie nicht allein ist mit ihrem Geheimnis: Auch der Junge und die anderen Kinder aus der Klasse haben Ängste. Auf beeindruckend-einfühlsame Weise gelingt es Sanna, der Angst ein Gesicht zu geben – und zwar wider Erwarten ein liebes, fürsorgliches Gesicht. Die Angst ist kein Schreckgespenst, sondern ein rundes, weißes Wesen, das das Mädchen eigentlich nur vor allem Fremden beschützen will. Die Formen fügen sich so harmonisch zusammen, die Komposition ist so ausdrucksstark, dass das Bilderbuch weit über seine Geschichte und Sprache hinaus Wirkkraft entfaltet. Ein wunderbares und wertvolles Buch, das dazu einlädt über Angst nachzudenken und gemeinsam über sie zu sprechen – über die eigene und die der anderen – und sich mit ihr anzufreunden.

- NvM

Ich wünschte
übersetzt von Birgit Erdmann

Tellegen, Toon | Godon, Ingrid
96 Seiten, mixtvision

Cover

Ein weiteres Mal gibt es hier ein sehr besonderes Buch zu bestaunen. Und hier ist bestaunen wörtlich gemeint: Ingrid Godon zeigt uns in dem vorliegenden Buch 33 Portraits von Menschen unterschiedlichen Alters, alle anscheinend aus einer anderen Zeit.  Und alle haben durch ihre weit auseinander stehenden Augen einen träumerischen, und doch direkten Blick. Allen Personen ist ein Name und ein Text zugeordnet, meisterhaft von Toon Tellegen zu den Gesichtern komponiert wie kostbare Miniaturen. Beides zusammen schafft eine unmittelbare Intensität, wie sie selten in einem Buch für Kinder anzureffen ist. Was wünschen sich diese Personen?

Wovon träumen sie, was macht ihnen Angst? Diese 33 Menschen, viele davon Kinder, sind eine Einladung, dem Leben direkt ins Gesicht zu schauen. Denn: „...Nachdenken, das möchte ich. Nur nicht über mich.“

- JPS

Jakob & das Rote Buch
Huainigg, Franz-Joseph | Hochleitner, Verena
32 Seiten, Wiener Dom Verlag

Cover

Der siebenjährige Jakob lebt seit 5 Jahren bei Pflegeeltern, also quasi sein ganzes Leben. Er fühlt sich wohl dort, Anna und Bernd sorgen gut für Jakob. Einmal im Monat hat Jakob die Möglichkeit, auch seine leibliche Mutter zu treffen. Aber die kommt häufig nicht, sie ist krank. Dafür sind die anderen Menschen in Jakobs Leben umso zuverlässiger, z.B. Robin, sein Sozialarbeiter. Der kennt Jakob schon sein ganzes Leben lang. Robin hat nach einem gescheiteten Mutter-Treffen im Besuchscafe dann auch die Idee, mit Jakob gemeinsam ein Buch über Jakob zu machen. Er besorgt ein leeres, rotes Buch. Zuerst meint Jakob noch, über ihn gäbe es nichts zu sagen, aber dann packt ihn das Interesse, über sich selbst etwas heraus zu finden und er macht sich auf den Weg. Behutsam begleitet von seinen Kontaktpersonen erkundigt sich Jakob bei seiner Hebamme, besucht seine Kriseneltern, wo er im Alter von 6 Monaten das erste Mal war, geht in seine alte Wohnung, in der er mit seiner leiblichen Mutter gelebt hat und darf dort sein altes Zimmer ansehen und lernt schließlich sogar seine Oma und seine 10 jährige Schwester Judith kennen.

Die komplizierte Geschichte einer wechselvollen Kindheit wird hier in klaren Worten einfach erzählt. Die Vielschichtigkeit des Ganzen findet gekonnt Ausdruck in den Illustrationen von Verena Hochleitner, die immer wieder die einzelnen Bildebenen wie transparent über einander legt, die Konturen weglässt, wo Unsicherheiten im Spiel sind und die den Jungen Jakob ernst nimmt und als einen aktiven Zeichner zeigt. So werden hier gleich mehrere Wege gezeigt, mit einer schwierigen Lebenssituation konstruktiv umzugehen. Tolles Buch!

- JPS

Weitere Titel und Rezensionen folgen!

NvM= Nikola von Merveldt
KE= Katja Eder
VK= Vera Kahl
KW= Karina Wrona
KS= Katrin Seewald
KP= Katja Pfeiffer
SB= Sylvia Bogdain
SW= Sarah Wildeisen
JPS= Jule Pfeiffer-Spiekermann
MD= Martin Deutsch
CS= Claus Schertel
BB= Bernadette Baufeld
JK= Jutta Kotzi